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Weblog 2002

21.12.2002

Da soll man noch durchblicken: So manche Datenbank von Songtexten musste in der Vergangenheit offensichtlich auf Druck von der Musikindustrie vom Netz genommen werden, aber an anderen Stellen sprießen sie offenbar ganz legal wie Pilze aus dem Boden. Beispiel: GoLyr startete ungefär vor einem dreiviertel Jahr und hatte bis heute über 1,5 Millionen Besucher, teilweise kamen pro Tag 2000 neue Songtexte online! Zeitgleich wurde die CD-Cover-Datenbank CDCovers.cc von der Musikindustrie verklagt und musste offline genommen werden. Wie soll sich da Eigeninitiative im Internet entwickeln, wenn man nicht sicher sein kann, ob man für praktisch ein und die selbe Sache entweder sehr erfolgreich ist und in den Himmel gelobt wird, oder vor Gericht landet.

Wer jetzt mit verschiedenen Gesetzen in verschiedenen Ländern argumentiert, hat nicht z.B. mit der Deutschen Bahn gerechnet. Engagierte Bahnfahrer haben die Mitfahrzentrale Kartenfuchs gegründet, damit Benutzer von Wochenend-Tickets sich zusammentun können. Und wurden anschließend von der Bahn verklagt. Jetzt, einige Monate später, gibt es nicht nur neue Mitfahrzentralen wie Mitbahnen, Wochenend-Ticket, Zugticket, Ticket-Mitfahrer, Corail, Fahrkartenpartner und Ticket-Teilen, sondern die Bahn bietet sogar selbst einen derartigen Service an!

16.12.2002

Spam ist lästig, natürlich. Aber so schnell wie er kommt, ist er auch wieder gelöscht, und man kann ihn sogar relativ gut automatisch aussortieren (z.B. alle englischsprachigen HTML-Mails mit vielen Großbuchstaben im Subject-Feld). Viel schlimmer finde ich den Papier-Spam, der täglich seinen Weg in den Briefkasten findet - den kann man nicht einfach löschen, sondern er findet sich in der Altpapiersammlung wieder. Unkraut vergeht nicht.
Ebenfalls mindestens so lästig und ähnlich häufig wie Spam sind Werbe-Mails. Sobald man irgendwo eine E-Mail-Anfrage macht, wird man automatisch in einen Verteiler eingetragen und dann mit nutzlosen "Service-Informationen" überschüttet. Man kann nicht einmal eine Nonsens-Adresse angeben, denn man erwartet ja u.a. wichtige Informationen.

Ein weiteres Beispiel von Informationsverschmutzung: Mailinglisten-Archive. An sich eine feine Sache, aber wenn man versucht, im Internet in einem Sachgebiet, zu dem es viele Mailinglisten und entsprechend viele Archive gibt (wie z.B. die ganzen Linux-Themenbereiche), zu recherchieren, dann wird man überflutet mit Halbwissen aus Mailinglisten. Daraus muss man erst mühsam die "richtigen" Webseiten herausdestillieren, eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Man wünscht sich dann eine Suchmaschine, die Mailinglisten-Archive oder auch kommerzielle Webseiten herausfiltern kann. Oder auch umgekehrt nur die Onlineshops durchlässt, z.B. wenn zu einem Produkt eine Preisrecherche machen möchte.

13.12.2002

Schön, dass es sowas gibt: Google ist zwar die (mit Grund) beliebteste Suchmaschine, aber trotzdem arbeitet man an der Weiterentwicklung mit sinnvollen Features. Die Diashow ist schon eine nette Sache, wenn man von den Suchergebnissen mehr sehen will als nur ein bisschen Text, aber noch genialer ist die mit JavaScript realisierte Tastaturbedienung - wenn schon die Browser keine vernünftige Tastaturbedienung bieten, wird es einfach nachimplementiert. Ebenfalls gut ist die Suche nach Definitionen - dumm ist nur, dass kaum eine Webseite die <DT>-Tags verwendet.

Der ewige Traum von der Karriere als Popstar! Der neueste Trend sind öffentliche Casting-Shows, aus denen in den Himmel promotete Retortenbands resultieren. Ob die frisch gekürten Popsternchen tatsächlich musikalisch sind oder nur maßgeschneiderte Songs nachsingen können, ist eigentlich egal - solange die Musik gut klingt, interessiert nicht, wie sie entstanden ist. Die Kriterien für die Bewerber sind lediglich Gesang und Choreographie, aber das Wichtigste fehlt, nämlich die Phantasie und die Ideen. Der Musiker als Leistungssportler statt als Künstler. Kein Wunder, dass die Musik der Retortenbands, obwohl technisch einwandfrei und mit aufwändigen Musikvideos garniert, einfach nur langweilig ist.

10.12.2002

Was haben die bloß aus James Bond gemacht? Früher reiste er um die Welt, tauchte in orientalische Basare, karibische Voodoo-Zeremonien, schweizer Winterzauber, brasilianisches Faschingstreiben und fernöstliche Lebensweise ein; seine Hauptwaffe war immer seine überragende Menschenkenntnis (und das Wissen, welchen Nutzen man daraus ziehen kann). Er konnte sich jederzeit in die höchsten gesellschaftlichen Kreise einschalten und dorthin vordringen, wo Entscheidungen getroffen werden, bevor er das System unterwanderte und mit halbwegs geringem Aufwand große Verwirrung und Zerstörung verursachte. Die Gadgets von Q waren dabei immer nur eine Hilfe - mindestens ebenso wichtig war, wie kreativ Bond sie verwendete (z.B. die letzte Zigarette vor der Exekution, die dann schießen konnte). Irgendwie ist das alles beim neuen 007 "Stirb an einem anderen Tag" anders: als Schauplätze sind nur kurz Hongkong und Kuba erkennbar (und nur als Zwischenstationen, fast ohne Handlung), und Bond ermittelt nicht viel, sondern zieht wie ein Terminator durch die Gegend. Gut, noch nie waren seine Voraussetzungen so ungünstig, aber er hatte es schon mit deutlich schlimmeren (wenn auch weniger glatten, eher exzentrischen) Bösewichten zu tun.

Und wenn wir schon bei Film und Fernsehen sind: zur Zeit kommt eine sehr interessante Reportage im TV über ein Experiment, bei dem eine Familie in einem ärmlichen Bauernhof wie vor hundert Jahren lebt und arbeitet. Dabei zeigt sich, was vor hundert Jahren die wirklichen Probleme im täglichen Leben waren und wie man diese Zeit einzuschätzen hat. Details treten zu Tage, die sonst unerwähnt bleiben, und man sieht, wie hart die Leute arbeiten mussten, nur um zu überleben. Siehe: http://www.schwarzwaldhaus1902.de

23.11.2002

Es ist mir ein Rätsel, wie Leute derart dumme Mails schicken können, wie sie wieder in der aktuellen Datenschleuder veröffentlicht wurden. Abgesehen von der äußeren Form - oft reihenweise Rechtschreib- und Grammatikfehler, die den Inhalt weitgehend unverständlich machen - treten diese Leute an den CCC heran mit der Haltung "ich habe keine Lust, Doku zu lesen oder selber zu recherchieren, das Nachdenken ist mir auch zu mühsam, ihr vom CCC seid doch die Computermagier und Hackergötter, erklärt mir das mal, macht mal für mich". Es sind ja keine Einzelfälle, sondern solche Mails/Postings gibt es andauernd. So dass zur Standardfrage "Wie lerne ich hacken?" meist die Standardantwort "Kauf dir ne Axt." kommt.

Ein noch größeres Rätsel sind mir aber Webseiten, die mit viel Aufwand möglichst unbedienbar gemacht wurden. Es ist doch so einfach, Texte übersichtlich zu gestalten - ein ausgefallenes Design mag umständlich sein, aber Übersichtlichkeit ist doch mit HTML wirklich nicht so schwer zu erreichen - gerade weil viele Webseiten von gelernten Grafikern o.ä. gemacht werden, die es wissen sollten. Gerade in der Version 4.0 wurde der HTML-Standard in sich deutlich konsistenter gemacht, und mit CSS gibt es eine wirklich elegante Möglichkeit, Texte ohne üble Basteleien schön und konsistent zu formatieren, das Layout wird vom Inhalt getrennt - bezeichnend ist, dass in Fachzeitschriften beim Aufkommen von CSS zuerst die Möglichkeit gerühmt wurde, endlich pixelgenau positionieren zu können. Nichts begriffen, setzen, sechs.
Aber auch HTML ist nicht überall so, wie es sein sollte: Warum gehören Frames nicht zur "reinen Lehre"? Warum gibt es - außer mit JavaScript bzw. CGI/PHP/ASP etc. - keine Möglichkeit, auf ein Frameset und gleichzeitig einen bestimmten Inhalt zu verlinken? Warum ist keine sonstige Möglichkeit vorgesehen, eine Navigationsleiste zu realisieren (und wie macht man es bei HTML 4.0 Strict)? Warum gibt es kein wirklich überzeugendes Verfahren, Bilder in den Fließtext einzubauen, so dass der Text die Bilder immer schön umfließt? Warum gibt es kein sinnvolles Verfahren für Bildunterschriften? Das sind alles doch ziemlich essenzielle Features, die die meisten Webseiten gebrauchen könnten.

22.11.2002

Es gibt tatsächlich ein Verfahren, den Zauberwürfel (Rubik's Cube) systematisch zu lösen. Wenn man es nicht weiß, probiert man (wie ich) eine Weile lang ziellos herum, um dann entnervt aufzugeben - dabei gibt es gute Webseiten, die das Verfahren erklären:
http://www.kantenkreuz.de, http://www.rubiks.com/

Und es gibt auch Webseiten, die über Geheimsprachen informieren: angefangen von den Gaunerzinken und Hobo-Zeichen bis hin zu Geheimcodes in Arbeitszeugnissen, Briefmarkensprache sowie der aktuellen Modeerscheinung Warchalking.

17.11.2002

Faszinierend: Meine Telefonnummer kommt in der Zahl Pi vor! Und zwar ab der 114387. Stelle nach dem Komma. Siehe Pi-Search

Im Fernsehen gibt es Modeerscheinungen. Waren es vor einigen Jahren die Talkshows, die plötzlich bei allen Sendern auftauchten, so sind die Gerichtsshows die aktuellen Shooting-Stars. Kurzlebiger dürften die Quiz-Shows sein, und hoffentlich auch die diversen Casting-Wettbewerbe. Was sich langsam auch immer mehr etabliert, sind Reportagen - und die sind sogar teilweise interessant. Bis auf die Standardthemen, die sie voneinander abkupfern: Urlaub beim Ballermann auf Mallorca, Camping in Deutschland, beim Schönheitschirurgen, der Alltag eines Autobahn-Polizisten... erst letzten Dienstag hatte jemand beim Chaostreff eine Sammlung von Videos dabei, lauter Reportagen über Wardriving, die verschiedene Fernsehsender in verschiedenen Städten mit den örtlichen Jungs vom Chaos Computer Club nach immer dem gleichen Schema gemacht haben. Blamabel, dass die User trotz dieser massiven Medienpräsenz ihre Funknetze immer noch nicht ordentlich absichern.

Wenn wir schon beim TV sind: Die Serie "The Osbournes" (MTV) dürfte in den USA wegen lauter Piepsern im Ton kaum zu verstehen sein. Aber es kommt doch auf den Inhalt an: die Osbournes sind für mich der Inbegriff einer intakten Familie!

Noch was: Der Internet Explorer zeigt Fehlerseiten des Webservers nicht an, falls sie kleiner als 512 Bytes sind. Bugs gibt es viele, das hier kann eigentlich nur Absicht sein, aber warum??? Perl und Browser-Bugs

02.11.2002

Dass Informatiker verspielt sind, habe ich ja schon immer befürchtet (und es ist ja auch nicht unbedingt schlecht). Aber dass die neue Mathe- und Informatikfakultät in Garching mit Rutschen ausgestattet ist, war doch etwas zu viel...
http://www.ma.tum.de/parabel/

Kürzlich bekam ich von der Krankenkasse die Abrechnung über eine Plastikschiene, die ich wegen eines verstauchten Knöchels tragen musste. Rund 140 € hat dieses Ding gekostet, das gerade einmal aus zwei Plastikschienen und drei Klettverbindungen besteht. Da stimmt die Wertschöpfung!

29.10.2002

Schon erstaunlich: bei uns mokiert man sich gerne über die Amis und ihren Klimaanlagen-Wahn, mit dem sie jede sommerliche Temperatur auf Spätherbst-Niveau herunterkühlen - aber sobald in Deutschland die Temperatur unter 15°C fällt, bricht hier analog der Heizwahn aus, sommerliche Temperaturen auch im Winter sind gefragt...

Enno hat wieder ganze Arbeit geleistet: zum nächsten Chaos Communication Congress soll der HackTrain fahren... mit der Begründung: "Flugzeuge sind voller Terroristen, Autos machen schepper-bumm, der Hacktrain macht dich glücklich!".

28.10.2002

Die RTL-Sendung "Wer wird Millionär" hat sich zu einem derartigen Renner entwickelt, dass sie von allen Sendern kopiert wird. Nicht nur bei Sat 1, auch auf den öffentlich-rechtlichen Kanälen und sogar beim ORF gibt es Quiz-Sendungen mit starker Ähnlichkeit. Warum eigentlich? Warum ist dieses Zeug so erfolgreich? Gute Quizsendungen gab es ja schon viele, keine hat lange durchgehalten - dabei forderten sie von den Kandidaten teilweise mehr Wissen, mehr Fragen wurden gestellt, und es kam viel weniger auf das Glück an. Beispiel: Jeopardy, oder das geniale "Krypton Faktor", das viel zu schnell wieder verschwand, obwohl die Kandidaten dort wirklich was drauf hatten.

25.10.2002

Heute habe ich meinen neuen Personalausweis geholt. Mein erster hatte noch ein Schwarzweiß-Bild, der zweite schon ein Farbfoto, und der jetzige daneben noch ein Hologramm-Bild (natürlich nicht 3D) von mir. Wird meine Visage auf meinem nächsten Ausweis in fünf Jahren dann animiert sein?

Cool ist, was der Hacker Lucky Green (der, der auch eine Handy-SIM-Karte kopiert hat, auf dem Chaos-Camp 1999 hat er davon erzählt) gemacht hat: er hat sich patentieren lassen, dass man mit dem Microsoft-Projekt "Palladium" (ein Sicherheitskonzept) auch gegen Raubkopien vorgehen kann. Dass das so ist, ist offensichtlich, nur hat Microsoft immer darauf geachtet, diesen naheliegenden Aspekt nicht zu erwähnen. Zu spät, jetzt hat er es getan...
http://www.heise.de/ct/02/22/204/

24.10.2002

Die schönen Radwege an der Münchner Prinzregentenstraße werden immer mehr durch Baustellen unterbrochen - dort heißt es dann oft "Radfahrer absteigen". Warum nicht mal "Fußgänger aufsteigen", oder noch besser, "Autofahrer umsteigen"? :-)

Vor wenigen Tagen kam im bayerischen Fernsehen ein Beitrag, der die Verleihung des Poldi-Awards an Indymedia scharf kritisiert: diese Webseite sei vom Verfassungsschutz als linksradikal eingestuft. Das ist doch ziemlich an der Realität vorbei! Und sehr schlampig recherchiert, wenn man sich z.B. den Kommentar dazu auf Telepolis anschaut. Zusammen mit einer ähnlich gefärbten "Report"-Sendung (die u.a. Windkraftwerke sehr einseitig verteufelte) frage ich mich, wo der BR hinsteuert - eine konservative Grundhaltung ist in Ordnung, aber nicht derart verzerrende Sendungen. Ich will nicht zurück in die dunklen Achziger, in denen "Scheibenwischer" abgeschaltet wurde, nur weil Hildebrandt über Tschernobyl redete.

15.10.2002

Immer wieder faszinierend ist die Fernsehsendung "EX! Was die Nation erregte". Manche Ereignisse, die Topthemen in den Medien sind, sind weltbewegend, andere geraten vollkommen in Vergessenheit. Schön, dass man durch diese Sendung von Dingen erfährt, die total in Vergessenheit geraten sind. Wird man im Jahr 2030 dann über Big Brother hören?
http://www.swr.de/ex/

28.09.2002

Wofür nutzen andere Leute das Internet? Es gibt einige Suchmaschinen, die Hinweise darauf geben:
MetaSpy (von MetaCrawler)
AskJeeves
Infotiger
Kanoodle
siehe auch: Internet EKG von Eons

Robin Whittle hat die Suchbegriffe von MetaSpy über einen Zeitraum von einigen Monaten aufgezeichnet, und bietet diese Datei zum Download. So kann man sehen, was die Leute interessiert, und auch, was übliche Rechtschreib- und Tippfehler sind.

22.09.2002

Wenn überall Leute auftauchen, die versprechen, dass demnächst goldene Zeiten anbrechen, dann ist es Wahlkampfzeit. Jetzt ist es wieder so weit. Erstaunlich, dass Stoiber als großer Reformer und Schuldenabbauer auftritt, obwohl seine Partei doch vor vier Jahren genau das verursacht hat. Erstaunlich, dass eine einfache kritische Meinungsäußerung über die Irak-Politik der USA als Gefahr für die deutsch-amerikanischen Beziehungen dargestellt wird - wir haben doch Meinungsfreiheit, hier wie in den USA. (Obwohl ich mir bei den USA nicht mehr so ganz sicher bin, zu viele Grundrechte wurden dort schon auf dem Altar der Terrorbekämpfung geopfert.) Erstaunlich, dass sich die beiden großen Parteien so stark bekämpfen, obwohl ihre Programme doch praktisch identisch sind. Sie versprechen alles, inklusive aller Widersprüche. Allein schon deshalb sind mir die kleinen Parteien lieber, denn bei den Großen hilft eigentlich nur die Erfahrung, um zu ahnen, welche Versprechen vermutlich als erste geopfert werden. Neben der Erfahrung sind die - meist nur kleinen, aber entscheidenden - Unterschiede zwischen den Wahlprogrammen wichtige Hinweise, was für die jeweiligen Parteien wirklich Priorität hat. Die Webseite Wahl-O-Mat hat sich die Mühe gemacht, aus dem Einheitsbrei der Programme das Essenzielle herauszudestillieren, und das ist gelungen; wer unentschlossen ist, kann hier seine Meinung testen.

Nachtrag: Gerade kommen die ersten Hochrechnungen - es sieht sehr knapp aus. Bloß das nicht, was ich am wenigsten will, ist ein Wahlausgang wie in den USA 2000. Wo ein Gericht klären musste, wer Präsident wird, wo trotz Mehrheitswahlrecht der gewonnen hat, der insgesamt weniger Stimmen hatte. Interessant wird die Rolle der PDS; möglicherweise kann man es sich nicht mehr leisten, dieses Zünglein an der Waage komplett zu ignorieren. Finde ich auch gut, denn in einer Demokratie sollte jede Partei ernst genommen werden. Auch wenn die PDS aus vielen DDR-Funktionären besteht, man sollte sie nicht darauf reduzieren. Schließlich kamen nach dem Krieg auch in der BRD viele Nazis in den neuen Volksparteien unter, und gerade die, die am meisten gegen die PDS hetzen, dürften stillschweigend einen nennenswerten Nazi-Anteil in den Anfangsjahren der Bundesrepublik beherbergt haben. Dass die PDS teilweise völlig utopische Forderungen stellt, ist eine andere Sache.

18.09.2002

Ich habe heute die neue "Pinakothek der Moderne" in Müchen besichtigt. Wunderbar! Eine geniale Architektur - simpel, und durch das Spiel mit Licht und Formen doch sehr beeindruckend - und eine riesige Sammlung von Bildern, Skulpturen, Architekturmodellen und Designergegenständen. Nur leider ist das Museum etwas groß, wenn man alles zumindest flüchtig anschauen will, braucht man schon mehrere Stunden.

03.09.2002

Eine sehr nützliche Webseite ist mir begegnet, nämlich www.archive.org. Dort werden seit 1996 Webseiten archiviert, so dass man auf ältere Versionen von Seiten zugreifen kann, die nicht mehr im Netz sind. Webseiten wurden zwar schon immer gespiegelt, aber noch nie so systematisch an einem zentralen Ort und in verschiedenen Versionen. Da man heutzutage schon wegen eines Links und eines Gästebucheintrags verklagt werden kann, wird das irgendwann einmal zum juristischen GAU führen, weil letztendlich Informationen, die einmal im Netz stehen, nie wieder entfernt werden können. Wenn Gerichte das fordern, ist das ebenso realitätsfern wie die Verurteilung des Compuserve-Chefs Felix Somm, der verklagt wurde, weil er seinen Kunden Zugang zum Internet gewährt und im Internet auch illegale Inhalte zu finden sind.

30.08.2002

Heute war eine Radtour zum Flughafen an der Reihe. Unterwegs haben wir bei Traumvelo vorbeigeschaut und ein Tandem getestet - das Fahren damit ist trickreich, vor allem für den hinten Sitzenden und wegen der gekoppelten Pedale. Kurz vor dem Flughafen leitete ein falscher Wegweiser in Schwaig uns im Süden um den Flughafen herum, was über 10 km Umweg bedeutete. Auch auf dem Flughafengelände ist die Fahrrad-Ausschilderung sehr mies, denn alle Straßen sind für Radfahrer verboten. Erst bei der Information erführen wir, dass der Radweg vom Terminal A losgeht, und um den Besucherparkhügel herum. Wer das nicht weiß, findet es nie. Der Weg nach Osten ist nicht einmal in Karten eingezeichnet.

Einen Trick für Garmin-GPS-Geräte habe ich noch gelernt: wenn man beim Einschalten verschiedene Tasten drückt, kann man undokumentierte Funktionen aktivieren. Die Wipptaste reihum gedrückt beschert z.B. eine Temperaturanzeige.

25.08.2002

Langsam verbreiten sich unsere Dokumente von www.skriptweb.de: sie wurden schon in Berlin und Oldenburg gesichtet...

Schon gewusst, dass es am CERN eine Band gibt? Die "Cernettes" singen selbstgeschriebene Lieder mit physikalischen Inhalten, bezeichnen sich als die einzige Hochenergie-Rockband der Welt, und waren die erste Band im Internet (Tim Berners-Lee hat eine Homepage gemacht, und ihr Foto war das erste Bild, das jemals im WWW stand). Seit der Inbetriebnahme des LHC (large hadron collider) am CERN haben sie sich umbenannt in "Les Horrible Cernettes" (abgekürzt ebenfalls LHC).

18.08.2002

Beeindruckend, was ein Hochwasser anrichten kann. Das Gewitter über Glonn letztes Wochenende ließ Bäche so stark anschwellen, dass Brücken bis über das Geländer unter Wasser standen, dass Teile von Straßen abrutschten (an einigen Stellen hing die Leitplanke in der Luft) und Teer von der Straße geschwemmt wurde. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Erstaunlich, denn diesen Sommer finde ich gar nicht so verregnet, es gibt viele schöne Tage, aber wenn es regnet, dann richtig.

Und was mir noch auffällt: dieses Jahr findet man im Haus oft Heuschrecken, das gab es noch nie; und Mücken waren früher groß, saßen auf den Wänden und ließen sich leicht erschlagen (oder mit der Wasserpistole abschießen), aber in den letzten Jahren sind sie kleiner und rastloser, viel schwerer zu erledigen, wenn sie nachts angreifen.

15.08.2002

Mitte September findet in München die YAPC (yet another Perl conference) statt; unter anderem werden Larry Wall (der Erfinder von Perl) und Damian Conway (bekannt für Genialitäten wie Lingua::Romana::Perligata) erwartet.

Faszinierend, dass die Ober-Geeks oft recht chaotische Homepages haben. Ein Beispiel ist Eric S. Raymond; aber er hat eine interessante Textsammlung. Befremdlich finde ich, dass er ein ziemlicher Waffennarr zu sein scheint.

11.08.2002

Auf der Suche nach Infos über ht://Dig (eine Suchmaschine für die eigene Webseite, die inzwischen recht leistungsfähig ist und z.B. PDFs indizieren kann) habe ich erfahren, dass die Uni Leipzig eine Wortliste der häufigsten Wörter rausgebracht hat, dass sich die Vornamen, die man Kindern gibt, seit meiner Schulzeit stark verändert haben, dass die deutsche Entsprechung von "FAQ" laut de.etc.sprache.deutsch "SAHARA" lautet und dass man manche englischen Begriffe auch sinnvoll übersetzen kann. Daneben gibt es englische Wörter, die es gar nicht gibt, und deutsche Wörter im Englischen.

Die Häufigkeit der Wörter musste ich anhand meiner Texte auch mal testen:
w3m -dump http://www.skriptweb.de/christoph/texte/datenreisen.html | tr '[:space:][:punct:]' '\n' | sort | uniq --repeated --count | sort -b -r -g | less

08.08.2002

Die neue Datenschleuder ist gekommen, und darin ein interessanter Artikel über Cross-Site-Scripting (XSS) von Stefan Krecher. Obwohl hier nur ein paar Beispiele gezeigt werden, lässt das erahnen, dass die Menge an Sicherheitslücken, die Webseiten mit aktiven Inhalten (und das sind praktisch alle) drohen, kaum absehbar ist.

Bushfire, ein neues Projekt von Blinkenlights, ist auf dem Cover abgebildet. Die Leute sind echt kreativ.