Der Bund Naturschutz (BN) ist der größte Naturschutzverband
in Bayern; auch die Stadt Ebersberg ist dort Mitglied. Jetzt hat der
Ebersberger Bürgermeister, Walter Brilmayer, den BN massiv
angegriffen, weil dieser Klage eingereicht hat gegen den Bau einer
Umgehungsstraße von Ebersberg, die jedoch von der Stadt
Ebersberg befürwortet wird.
Dass es Meinungsverschiedenheiten
geben kann, ist nichts Besonderes. Allerdings: Die Art, wie Herr
Brilmayer in einem Leserbrief vom 20.11.2004 den BN angreift, gibt
einem wirklich zu denken. Er verlangt beispielsweise, dass der BN
Rücksicht auf die Interessen der Stadt Ebersberg nimmt, weil
diese Mitgliedsbeiträge zahlt. Allerdings widmet sich der BN
einzig und allein dem Naturschutz, er ist nicht korrupt, er ist kein
Dienstleister, der gerade das tut, wofür man ihn zahlt.
Brilmayer allerdings will die Haltung Anderer nur akzeptieren und
mittragen, wenn sie ihm nützt. Das lässt tief blicken auf
sein Demokratieverständnis als Kommunalpolitiker.
Zweitens:
Die Klage wurde vom Landesverband des BN beschlossen, d.h. sie wird
nicht alleine von Ebersberg (und schon gar nicht nur von den
Mitgliedsbeiträgen der Stadt Ebersberg) finanziert, sondern von
sämtlichen Mitgliedern – der BN ist, genauso wie unser
gesamtes Staatswesen, eine Solidargemeinschaft. Man kann sich nicht
nur die Rosinen herauspicken wollen. Ansonsten müsste Herr
Brilmayer ja auch jedem erlauben, die Zahlung von Steuern
einzustellen, wenn die Stadt etwas unternimmt, was dem Betreffenden
nicht in den Kram passt.
Außerdem: Mit seinen Aussagen zeigt
er recht plastisch, dass der Umweltschutz für ihn keinen echten
Stellenwert besitzt – er ist wohl nur dazu bereit, wenn der
Umweltschutz allen anderen Interessen nicht widerspricht. Brilmayer
outet sich damit als Schönwetter-Naturschützer, der nicht
aus Überzeugung handelt bzw. erkennt, dass der Naturschutz
manchmal ein notwendiges Übel ist, sondern sich damit nur
profilieren will, wenn er damit niemandem weh tut. Vor so viel
Opportunismus wird mir fast schlecht; er scheint sich dafür noch
nicht einmal zu schämen.
Dieser Eindruck wird im letzten Teil
des Leserbriefs noch einmal verstärkt. Brilmayer wirft dem Bund
Naturschutz indirekt vor, dass der Prozess gegen den Bau der B 304
geführt wurde, obwohl die Aussichten auf Erfolg der Klage
womöglich gering waren. Der Bund Naturschutz führt jedoch
Prozesse dann, wenn er ein Unrecht zu Lasten der Natur erkennt –
und nicht, wenn er damit offene Türen einrennt. Anders
ausgedrückt: Er prangert an, dass sich der BN nicht ebenso
opportunistisch verhält wie er selbst.
Wir können wirklich stolz sein über unsere Politiker.
Gestern habe ich Michael Moore’s Film „Fahrenheit 9/11“ angeschaut. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem eine Aussage: Die US-Army wirbt Soldaten vor allem in armen Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit, weil für die dortigen Jugendlichen das Militär die einzige Perspektive in ihrem Leben ist. Das Land wird also ausgerechnet von den Leuten verteidigt, die vom American Dream am wenigsten profitieren dürfen. Läuft es im Leben nicht oft so – man ist stolz auf etwas, was andere erreicht haben?
Bei meinen Verwandten in der Schweiz habe ich doch manchmal Probleme, ihren Dialekt zu verstehen, wenn sie ihn zu heftig sprechen. Wie bei allen Dialekten, die man versteht, aber nicht sprechen kann, muss ich zuerst alle Wörter ins Hochdeutsche übersetzen. Das kann schwer werden, wenn sowohl Betonung, Aussprache und Wortendung verändert sind und außerdem Wortwahl und Satzbau ungewohnt sind. Irgendwann werden die Ähnlichkeiten einfach zu gering. Man kann es ja gerade nicht deshalb sprechen, weil man die Satzkonstruktionen zwar dekodieren kann, aber nicht wirklich kennt.
Heute war ich auf einer Bergwanderung auf dem Ybrig (bei Einsiedel CH). Dort gab es an jedem Berggasthof ein großes Trampolin, so wie ich es in Norwegen oft gesehen habe, und auch das Weidenröschen blüht hier überall – wie in Skandinavien.
Ich war gerade zu einem Kurzausflug in Italien. Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Erstens sind die Italiener sehr freundlich zu Radfahrern, sie überholen sie langsam und mit Abstand, und mit dem Liegerad ist man eh die Sensation weit und breit, andauernd ist man von Leuten umringt und wird fotografiert. Das Zweite: Die Italiener haben auch noch Probleme mit der Euro-Umrechnung. Während in den meisten europäischen Ländern lediglich um einen geringen Faktor multipliziert oder dividiert werden muss, liegen Lira und Euro um Größenordnungen auseinander – was dazu führt, dass es plötzlich wieder Bruchteile der Basis-Einheit gibt. Für viele Italiener wurde dadurch der Tausenderpunkt zum Dezimalpunkt, entsprechend reden sie von „tausendzweihundert Euro“, wenn sie 120 € meinen.
Diskussionen über die Gefahren von Mobilfunk sind leider meist chronisch unsachlich. Jetzt konnte mir einmal jemand erklären, was die beiden Haupt-Kritikpunkte sind. Erstens ist es das Zeitmultiplexverfahren (TDMA), das außerdem noch mit einer Frequenz arbeitet, die im Bereich der von den Nervenzellen verwendeten Frequenzen liegt. (UMTS und WLAN verursacht von dieser Seite keine Probleme, weil CDMA zur Anwendung kommt.) Zweitens ist es die Erwärmung des Körpergewebes; diese geschieht in der Natür praktisch nur von außen, daher ist eine Erwärmung von innen, wenn auch nur um wenige Grad, besonders schädlich, weil diese schlecht weggekühlt werden kann, speziell im Gehirn (wegen der Blut-Hirn-Schranke).
Vor ein paar Tagen hat jemand zum Liegeradstammtisch ein Janus-Tandem mitgebracht, d.h. ein Liegerad-Tandem, auf dem man Rücken an Rücken sitzt. Das Teil fetzt wie Sau, gerade in den Kurven bietet es satte Adrenalinkicks. Haben wollen! Und einen kräftigen Mitfahrer!
Letzten Montag war ich auf der Blade Night, die dieses Jahr an der Hackerbrücke startet. Danach warteten an der Brücke bereis Bahn-Securities, die darauf achteten, dass niemand mit Rollschuhen auf den Bahnsteig geht. Moment mal, haben die denn nichts Besseres zu tun? Gerade heute stand in der Zeitung von einem Fall, wo Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes aus purer Langeweile Obdachlose misshandelt haben. Das mag zwar ein bedauerlicher Einzelfall sein, aber die Grundhaltung ist mehr als typisch. Jedesmal, wenn ich es bisher mit Leuten von einem Wachdienst zu tun hatte, haben sie mich zurechtgewiesen und mein Verhalten kritisiert. Es geht ihnen nicht darum, für Ordnung und Sicherheit zu sorgen (das könnten diese Pappnasen wohl auch gar nicht), sondern auf die Einhaltung der Regeln zu achten, so bescheuert sie auch sein mögen. Nix von gesundem Menschenverstand, diese Typen machen sich vor allem wichtig und lassen nur zu gerne ihre Autorität heraushängen. Damit schüchtern sie vor allem die normalen Bürger ein und vermitteln ihnen bestenfalls eine Placebo-Sicherheit, während sich die echten Ganoven von ihnen kaum stören lassen dürften (weil sie wissen, dass diese Sheriffs nur reden, aber nichts wirklich tun können außer die Polizei zu rufen) oder ihnen nur aus dem Weg gehen. Aber auch bei der Polizei ist es nicht viel besser. Ich werde von den grünen Männchen vor allem dumm angeredet, z.B. wenn ich im Schritttempo auf dem Fahrrad durch die Fußgängerzone rolle (d.h. illegal, aber harmlos) – freundlich werden sie erst, wenn man z.B. einen Autounfall gebaut hat und ihre Hilfe braucht.
Ich war vor ein paar Tagen im Nördlinger Ries. Und fasziniert, wie billig dort z.B. die Bäckerei ist, im Vergleich zu München. Erst recht spürbar war der Preisunterschied in Freiberg/Sachsen, wo ich in der Woche zuvor sein durfte. Anscheinend ist das Teuro-Phänomen vor allem eine Münchner Sache, denn wenn ich in „teure“ Gegenden reise (Norwegen, Schweiz) haut mich nichts vom Hocker, dagegen sehe ich andere Regionen in Deutschland, die deutlich billiger sind. Noch was zu Freiberg: Die Ossis waren richtig erstaunt, dass ich etliche der DDR-Konsumgüter nicht kannte (z.B. Hallorenkugeln) – aber bei uns gibt es die einfach nicht zu kaufen, während die sämtliche West-Produkte in ihren Supermärkten finden. Ich fühle mich diskriminiert!
Heute war ein heißer Tag, später ist ein Schauer über unsere Gegend niedergegangen. Ich war kurz danach mit dem Fahrrad unterwegs – die Straße hat richtig gedampft.
Bei einem Untertage-Praktikum an der Bergakademie Freiberg habe ich zum ersten Mal richtig mitgekriegt, wie das Leben in einer kleinen Universitätsstadt aussieht. Alle Studenten wohnen in Nachbarschaft (in wenigen Wohnheimen), bis zur Uni sind es nur wenige Minuten Fußweg, und für die Wohnung (warm) zahlt man nur 150 € im Monat – und weil die Studenten nicht mehr zu Hause wohnen, wird das auch noch per Bafög gefördert. Internet (flat) gibt es bereits für 25 € im Monat. Wenn ich bedenke, dass ich alleine 77 € für die Fahrkarte zahle und dazu noch rund eine Stunde unterwegs bin und natürlich kein Bafög kriege, fühle ich mich etwas verarscht.
Was in den Gesprächen mit anderen Studenten ebenfalls rausgekommen ist: die unterschiedlichen Anforderungen an den verschiedenen Universitäten. Manche Geophysiker müssen sich durch die Mathematikvorlesungen der Mathematiker quälen (sehr theoretisch und anwendungsfern), während Andere nur die sehr abgespeckte Geologen-Mathematik brauchen. Mit Chemie ist es noch krasser; an manchen Universitäten wird überhaupt keine Chemie verlangt, während man in München u.a. sechs Wochen Laborpraktikum (mit wöchentlicher Klausur) abarbeiten muss. Ich fühle mich bestätigt: Es kommt nicht darauf an, was man leistet – darum sollte man sich darauf konzentrieren, das zu tun, was einem persönlich weiter bringt, auch wenn es nicht explizit verlangt wird.
Bei einer Exkursion hat mir ein Professor, der Anfang der 1940er-Jahre geboren wurde, erzählt, dass er findet, genau in der richtigen Zeit zu leben – er hat vom Krieg nicht viel mitbekommen, die Armut in der Kindheit hat nicht viel ausgemacht, aber er konnte in einer Zeit des Optimismus und des Aufschwungs aufwachsen, in der jeder, der sich etwas angestrengt hat, erfolgreich sein konnte. Heute sei das sehr viel anders, die Einstellung der Leute sei viel pessimistischer, und auch die Welt habe sich nicht in jeder Hinsicht verbessert. Beispielsweise habe er noch erlebt, dass in München noch an vielen Stellen Tiere zu beobachten sind, die heute nur noch weit außerhalb auf dem Land vorkommen, weil die Stadt viel städtischer geworden ist.
Auch in der S-Bahn habe ich mitgekriegt, wie ein älterer Mann einem Jugendlichen Ratschläge gibt. Er meinte, man sollte keine Naturwissenschaften studieren, weil man dort nur lerne, wie wenig man eigentlich weiß – statt dessen solle man lieber etwas studieren, was einem konkret im Beruf helfen würde. Aber ist es nicht genau der Sinn der Naturwissenschaft, uns die Grenzen aufzuzeigen? Kann echtes neues Wissen nicht erst dann entstehen, wenn man weiß, an welche Grenzen man mit den bisherigen Erkenntnissen stößt?
Vor einer Woche fand wieder das Easter(h)egg statt, diesmal in München. Es waren wunderschöne Tage mit genialen Workshops. Aber besonders beeindruckend fand ich, wie der Abbau ablief. Naürlich vollkommen unkoordiniert, wie es für den Chaos Computer Club üblich ist (der Name sagt es ja schon). Trotzdem war nach einer Stunde schon der größte Teil der Arbeit erledigt, weil jeder selbständig dort anpackte, wo er Arbeit sah. Wie fleißige Ameisen – niemand hat die Oberaufsicht, jeder kümmert sich nur um einen kleinen Teil, hat aber gleichzeitig das große Ziel im Blick. Effizienz pur ist das.
Noch etwas vom Easter(h)egg: sphaera meinte mehrmals, ich würde sie an Irland erinnern. Den Grund konnte nicht sagen. Würde mich echt mal interessieren, was an mir irisch sein soll.
In der aktuellen PM-Ausgabe sind zwei recht interessante Artikel. Zum einen über Selbstmordattentäter; dort wird gesagt, dass die wenigsten Attentäter ihre Tat aus religiösem (oder sonstigen ideologischem) Fanatismus betreiben, sondern aus Verzweiflung und Perspektivlosigkeit. Es sind also „normale“ Selbstmörder, denen durch Versprechungen (z.B. es wird für ihre Familie gesorgt werden, sie werden in positiver Erinnerung bleiben) diese Art des Suizids schmackhaft gemacht wird. Der andere Artikel behandelt das antike Sparta. Dieses sei einmal eine sehr liberale Gesellschaft mit einem reichen kulturellen Leben gewesen. Dann sei aber die Bevölkerung gewachsen, die Ressourcen wurden knapp, woraufhin die Spartaner benachbarte Volksstämme überfielen und letztendlich versklavten. Weil die Spartaner zahlenmäßig unterlegen waren, ließ sich die Besetzung nur mit starkem Druck aufrecht erhalten. Dieser Druck und diese Gewalt nach außen zog Angst und einen militärischen Drill nach sich, für den Sparta letztendlich berüchtigt geworden ist, und der zuerst den Untergang der alten Kultur und letztendlich von ganz Sparta als politische Macht forderte.
Beim Surfen in der Wikipedia bin ich auf der Titelseite auf das Thema ICE gestoßen, was mich gleich fasziniert hat. Unter anderem gab es einen Artikel über die Unfälle, in denen ICEs verwickelt waren. Eschede ist bekannt – aber von einem Unfall bei Basel hatte ich noch nichts gehört. Erst recht gewundert habe ich mich beim Datum – das ist ja heute! Nein, leider kein Aprilscherz – der Unfall ist tatsächlich passiert, und zwar erst vor vielleicht einer guten Stunde. Man stelle sich das vor: Eine Stunde nachdem das Ereignis passiert ist, steht es bereits in der Enzyklopädie! Langsam macht das Internet den anderen Medien echte Konkurrenz, indem es nicht nur die gleichen Lösungen bietet, sondern neue und bessere. Ich war schon beeindruckt von RSS-Tickern, die ein vollwertiger und zugleich werbefreier Ersatz für die Radio-Nachrichten sind; die Festnahme von Saddam Hussein war die erste Meldung, die ich zuerst über Ticker erfahren habe. Und auch das Fernsehen, das mit seinen Unterhaltungssendungen ein Fenster in die gesellschaftliche Realität darstellt, bekommt Konkurrenz durch das Netz – in diesem Fall von den Weblogs. Der Mehrwert lautet in diesem Fall: Man bekommt nicht nur einen Durchschnittswert, gemittelt über die gesamte Gesellschaft, sondern kann sich direkt die Einzelpersonen heraus suchen, über deren Gedanken und Vorstellungen man etwas wissen will.
In der SZ vom letzten Wochenende war ein sehr interessantes Interview mit einer Ordensschwester
vom Orden der Trappisten, die ihr Leben im Schweigen verbringen. Auch wenn das nicht gerade viel mit dem
normalen Alltag zu tun hat – ihre Äßerungen fand ich sehr vernünftig, folgende Sätze
kann ich uneingeschränkt unterstreichen:
„Wenn wir sprechen, muss es gute Gründe haben.“
„Wir schweigen, um besser hören zu können.“
„Das hemmungslose Aussprechen hilft nur, wenn mein Gegenüber mir einen möglichst
neutralen Spiegel bietet und Maßstäbe vermittelt.“
„Früher [...] wollte ich die Welt verbessern. Heute beackere ich den einzigen Ort der Welt, der
einigermaßen in meiner Gewalt ist: mein eigenes Herz.“
„Wem es schlecht geht, hilft es
auch nicht weiter, wenn ihm gesagt wird: ‘Oh, wie schlecht geht es dir!’ [...] Distanz und Stille sorgen
für einen klaren Kopf.“
Heute habe ich einen Anruf bekommen. Ein netter Mann aus Niederbayern hatte mir in mein Gästebuch geschrieben, dass er auch Liegerad fährt und eine technische Frage hat. Das war vor gerade einmal zwei Monaten. Jetzt hat er mich angerufen und erzählt, dass er seit einem schweren Unfall vor einigen Jahren invalide ist und hat das Liegerad v.a. deshalb hat, um an seiner Kondition arbeiten zu können. Jetzt kommt die Berufsgenossenschaft daher, die offenbar meine Webseite entdeckt hat (anders ist es nicht zu erklären) und daraufhin anzweifelt, dass dieser Herr das Liegerad aus medizinischen Gründen besitzt (was die Einstellung der Zahlungen bedeutet). Das ist doch der Wahnsinn! Ist eine Therapie nur dann gut, wenn sie möglichst unerträglich ist, statt Spaß zu machen? Sollte man die Leute nicht statt dessen loben, wenn sie aus eigener Initiative etwas finden, was ihnen helfen kann? Ich bin doch etwas schockiert, wie rau das soziale Klima geworden ist.
Juhu, nach ca. 15 Jahren gibt es endlich wieder ein Fahrradgeschäft in Ebersberg! Währenddessen haben sich die drei Autohäuser recht gut gehalten.
Eigentlich war für heute Föhn angesagt, aber weder blauer Himmel ist zu sehen noch wärmere Temperaturen zu spüren. Dafür ist der Himmel den ganzen Tag lang richtig gelb – nachdem ein paar Regentropfen auf meinem Dachfenster gelbliche Flecken hinterlassen haben, kann das nur heißen, dass irrsinnige Mengen an Sahara-Sand in der Luft liegen!
Es war eine recht erfolgreiche Woche am Reaktor, wir kommen mit der Arbeit gut voran. Beim Mittagessen (in der Kantine der Max-Planck-Institute) reden wir oft über aktuelle Ereignisse, über die in den Nachrichten berichtet wird – mich fasziniert, dass diese wissenschaftlichen Mitarbeiter alle immer bestens bescheid wissen, und vor allem sehr viel Hintergrundwissen parat haben.
Schockierend war ein Artikel in der neuen c’t über Viren und Spam. Ein Student hat interessehalber einen Virus analysiert und ist darauf gekommen, dass dieser einen IRC-Bot und einen offenen Socks-Proxy installiert und seine IP-Adresse an einen Webserver meldet, der diese notiert. Damit kann der Virenprogrammierer eine ganze Armada von Rechnern fernsteuern (zum Zeitpunkt der Recherche über 11000) und hat somit eine Bandbreite im Gigabit-Bereich zur Verfügung. Ideal für DDoS-Attacken, aber finanziell wesentlich interessanter als Spam-Relays. Der Virus an sich war zwar den Herstellern von Anti-Virus-Software längst bekannt, aber keiner hat sich die Mühe gemacht, so weit zu recherchieren – obwohl der Virus die Recherche nicht sonderlich erschwert hat. Zudem war der Virus aus einem gängigen Trojaner-Baukasten konstruiert, verfeinert mit weiterem frei verfügbarem Code, und über P2P-Tauschbörsen in Umlauf gebracht worden. Einfacher geht es wirklich nicht. Szenarien von Science-Fiction-Autoren über Roboter-Armeen erschienen immer reichlich unrealistisch, aber diese Sache gibt uns einen kleinen Einblick, was und vor allem wie leicht so etwas möglich ist. Man stelle sich vor, der Virus befällt keine einfachen PCs, sondern auch die in Zukunft damit gekoppelte Steuerung für das gesamte Haus, oder Fabriken, die in Zukunft ebenfalls wesentlich stärker automatisiert und damit steuerbar sein dürften.
Seit vorgestern arbeite ich am Garchinger Forschungsreaktor. Meine Aufgabe ist es, die Ansteuerungssoftware zum RESEDA-Experiment (ein Neutronenstreuexperiment nach dem Spinresonanzecho-Prinzip) zu dokumentieren und zu debuggen. Es ist das älteste Experiment in der Neutronenleiterhalle des neuen Reaktors, wird aber zu dessen Inbetriebnahme in etwa zwei Wochen noch lange nicht fertig sein. Die Gründe sind typisch für das Arbeiten an der Uni. Im Laufe mehrerer Jahre haben über ein Dutzend Leute an dem Experiment herumgewerkelt, keiner ist von Anfang bis Ende dabei geblieben, an der Mechanik und Elektronik wurde teilweise nicht richtig nachgedacht, und die Software ist auch in keinem so fitten Zustand. Für den verantwortlichen Ingenieur tauchen immer wieder neue Probleme auf (z.B. wie er die an der Messprobe gestreuten Neutronen sinnvoll abschirmen soll), weil sich offensichtlich niemand vorher Gedanken darüber gemacht hat; über den gesamten Aufbau gibt es praktisch keine Doku, nur ein mit meist wertlosem Zeug vollgeschmiertes Heft (kann man nicht anders sagen, wenn man sich das Schriftbild und den Inhalt anschaut), die Software ist an vielen Stellen unfertig, sicherlich fehlerhaft und vollkommen undokumentiert (zum Glück ist der Code halbwegs verständlich). Das Know-How ist an den Hochschulen definitiv vorhanden, aber wird nicht genutzt. Es herrscht das Prinzip Chaos, keine Koordination (das Rad wird oft neu erfunden), auch z.B. keine zentrale Datenspeicherung mit Backup. Und wenn jemand geht, nimmt er sein Wissen mit – übrig bleiben Fragmente, mit denen niemand mehr was anfangen kann. Und es kommt nicht einmal nur auf das theoretische Wissen an. Wenn eine Firma eine Entwicklungsabteilung aufgelöst hat und die Ingenieure in alle Richtungen verstreut sind, ist damit die Erfahrung unwiederbringlich verloren. Selbst wenn alle Baupläne usw. noch vorhanden sind – bei einem Neuanfang müssen alle Anfängerfehler neu überwunden werden. An der Uni ist genau das der Fall, es geht zu wie in einem Taubenschlag; dass die Leute nicht lange bleiben, ist kein Wunder: Die Bezahlung ist schlecht, und es gibt nur befristete Verträge. Junge Leute, die sich eine Existenz aufbauen wollen, kann man auf diese Weise nicht auf Dauer halten, selbst wenn der Willen bei ihnen prinzipiell vorhanden wäre. Die eigentliche Verschwendung geschieht beim Know-How (die Finanzen dürften oft das kleinere Problem sein). Das ist so schade. Wenn man in die Neutronenleiterhalle blickt, sind dort meistens nur wenige Leute zu sehen, weil die fest angestellten Mitarbeiter neben den Experimenten noch für diverse andere Dinge zuständig sind, die Zeit kosten. Um die sieben Leute arbeiten zur Zeit an Experimenten, die Hälfte davon sind Werkstudenten! Geräte, die Unsummen gekostet haben, stehen herum und veralten, nur weil Personal fehlt – und das in einem Reaktor, der etliche hundert Millionen Euro gekostet hat und Fixkosten ohne Ende produziert!
Heute habe ich erfahren, wie Outsourcing funktioniert. Nicht unbedingt durch den Abbau von nicht benötigten und nicht ausgelasteten Ressourcen oder durch Synergieeffekte, wenn externe Firmen sich auf eine Aufgabe spezialisieren und diese dann besonders effizient anbieten können. Sondern manchmal schlicht und einfach durch Erpressung. Bei Automobilfirmen kann das z.B. so aussehen: Die Zulieferer sind auf den Automobilkonzern angewiesen, weil es ihr einziger Kunde ist – umgekehrt kann dieser unter vielen Zulieferern wählen und diese so gegeneinander ausspielen. Zudem sind diese oft nicht an Tarifverträge gebunden, so dass die Bezahlung für die gleiche Leistung deutlich schlechter ist.
Momentan bastle ich an der graphischen Darstellung von GPS-Tracks. Manchmal sehen sie richtig faszinierend aus – aber man kann die Sache auch anders herum angehen: Man will eine bestimmte Form erreichen, und läuft dafür einen passenden Weg mit dem GPS. Zur Perfektion getrieben auf www.gpsdrawing.com.
Gestern war ich bei einem Vortrag über Naturschutz und Hochwasserschutz am Beispiel
von Markt Schwaben. War interessant, speziell weil der Referent aus der Gegend stammte und
die Veränderung der Natur anhand etlicher Fotos aus den letzten 50 bis 100 Jahren zeigen
konnte. Die Landschaft war schon immer eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft,
sie sah kaum „natürlicher“ aus als heute. Dass heute viel weniger Tiere und
Pflanzen dort leben, liegt an kleinen Details. Die Abwechslung machts; gerade kleine
Feldgehölze sind sehr wertvoll, und selbst Torfstiche oder Stauwehre an Mühlen
können wertvoll für die Natur sein. Der Sündenfall war deshalb im Prinzip
die Flurbereinigung und ist gar nicht so lange her. Oft ist sogar noch die Fähigkeit
zur Regeneration noch vorhanden (z.B. durch Samen im Boden, die Jahrzehnte überdauern
können), man muss der Natur nur etwas Spielraum geben.
Wenn man den Biber ansiedelt, gestaltet sich dieser das Gewässer selber naturnah,
und durch Revierkämpfe regelt sich die Population von alleine. Die Arbeit für
den Menschen hält sich stark in Grenzen. Auch ein paar Feldgehölze wirken Wunder,
bieten Kleintieren Unterschlupf, können aber auch die Waldschäden durch Wildverbiss
drastisch reduzieren.
So klein die nötigen Schritte auch sind, oft kommen nicht einmal sie zustande, nur weil
nicht mitgedacht wurde. Alles muss schnell und billig gehen, daher das Scheuklappendenken
der Planer, das keinen Blick auf den Naturschutz zulässt. Auch in Behörden
(von Brüssel bis hinunter zum jeweiligen Landratsamt)
weiß eine Abteilung nichts von der anderen, man plant aneinander vorbei.
Politiker verfolgen, blind für die Tatsachen, ihre Parteilinie,
der Kreisheimatpfleger fühlt sich nur für die Kultur zuständig und ignoriert
die Natur komplett (auch wenn das auch Teil der Heimat ist), und von dieser engstirnigen Denkweise
sind auch die Naturschützer nicht ausgenommen. Auch sie
denken oft sehr einseitig und fühlen sich nur für ausdrückliche Biotope
zuständig (die sie vehement verteidigen), aber nicht für die Gesamtheit und für
Flächen, die nicht absolut schützenswert sind, aber wo man mit wenig Aufwand viel
erreichen könnte. Das fürt oft zu Problemen mit den Bauern, die an sich
schon bereit wären, etwas für die Natur zu tun (und oft nur den Zwängen einer
fehlgeleiteten Agrarpolitik unterliegen), sich aber von besserwisserischen „zuagroasten“
Ökos nichts sagen lassen wollen. Am besten klappt es, wenn alle einbezogen werden (die Bauern, die
Jäger, ...), und man gemeinsam nach Lösungen sucht, abseits von Anordnungen von
oben – die Bereitschaft dazu ist meist erstaunlich groß!
Zur Zeit wird in den Medien über die Schule in Walpertskirchen, nur rund 30 km entfernt, berichtet, wo im Prinzip eine ganze Schulklasse einen Mitschüler über Wochen oder Monate fertig gemacht hat und diese Quälereien auch noch auf Video aufgenommen hat. Alle reagieren schockiert, Politiker wie Lehrer oder Eltern, ihnen ist ein Rätsel, wie so etwas so lange unbemerkt bleiben konnte. Für mich ist die Sache klar. Es ist mehr als alltäglich, dass Lehrer wegschauen und Probleme unter Schülern als Kleinigkeit abtun, d.h. die Dunkelziffer für solche Fälle dürfte enorm sein.
In der Fernsehwerbung wird für Notebooks mit integriertem WLAN geworben – in dem Spot hockt jemand im sturmumtosten Basislager am Mount Everest und surft im Internet. Daran muss ich immer denken, weil ich an der Uni seit inzwischen zwei Jahren keinen Internetzugang für das Notebook mehr habe (oft ist das Netz unzuverlässig, außerdem scheitert es z.B. am defekten VPN-Client), für die Rechnerräume müste man sich die Accounts auch von sonstwo zusammensammeln (die zentralen Uni-weiten Zugangsdaten von CampusLMU gelten fast nirgends), selbst eine Steckdose für das Notebook ist oft nicht in erreichbarer Nähe. Der Werbespot wirkt da wie blanker Hohn.
Von Bayerisch Eisenstein haben wir einen Ausflug nach Klatovy (Tschechien) gemacht. Auch wenn die Häuser und Dörfer dort noch nicht so nobel aussehen wie in Deutschland, es tut sich was. In manchen Teilen von Ostdeutschland schaut es nicht besser aus, trotz etlichen Milliarden an Subventionen, und den Leuten dort geht es nicht unbedingt viel besser als in Tschechien. Der einzige deutliche Unterschied sind die Straßen; während die tschechischen Straßen tendenziell mit dem Bedarf wachsen, wurde in Ostdeutschland eine supernoble Luxus-Infrastruktur hochgezogen, die sicherlich Geld ohne Ende gefressen hat. Straßenbau schafft Arbeitsplätze? Wer’s glaubt...
Die holländische Punkrock-Band „Heideroosjes“ haben auf ihrem neuen Album „SINema“ auch ein Lied namens „Ebersberg“ – weil sie hier im Jugendzentrum schon mehrmals aufgetreten sind (und haben danach bei uns zu Hause übernachtet...) und hier wohl ihre treuesten Fans von ganz Deutschland haben. Entsprechend heißt es in dem Lied: „Da irgendwo bei München am Ende der Welt, Hat jemand ein kleines Jugendhaus hingestellt, Die Bühne ist scheiße, Anlage fast kaputt, Aber die Bauern rocken, wie es kein anderer Deutscher tut.“ Nett!
Bin im Bayerischen Wald beim Langlaufen. Die Preußen greifen an. Alles ist überschwemmt mit Autokennzeichen aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und auch NRW. Krass.
Vorgestern habe ich in der S-Bahn mitgekriegt, dass der S-Bahn-Fahrer über Störungen lediglich per SMS informiert wird! Es muss also erstens jemand daran denken, alle betroffenen Zugführer einzeln zu informieren, und zweitens kommen wegen der 160 Buchstaben keine Hintergrundinformationen mit. Konkret war es so, dass der Fahrer erfahren hat, dass es eine Störung im Stellwerk Riem gibt und Schienenersatzverkehr von Ostbahnhof bis Riem (d.h. auf einer anderen S-Bahn-Linie), aber er musste sich selbst überlegen, welche Ratschläge er seinen Fahrgästen geben soll; dummerweise war er neu in München und kannte sich noch nicht gut aus. Jetzt wird klar, warum es bei Störungen so selten Durchsagen gibt.
Ebenfalls vorgestern war bei uns eine Kochvorstellung des Topfherstellers AMC. Beeindruckend fand ich die Vorteile vom Dampfgaren – der AMC-Vertreter hat verschiedenes Gemüse, Knödel im Kochbeutel und ein Ei in den selben Topf gegeben und zusammen gekocht. Alles ist perfekt gelungen, der Geschmack blieb erhalten und ist weder ins Kochwasser gegangen noch haben sich die Zutaten gegenseitig geschmacklich beeinflusst. Auch eine Kochplatte, die man von oben auf die Töpfe montieren kann, ist faszinierend – bei uns wurden damit Nudeln mit Käse überbacken, man hat also einen sehr energiesparenden Mini-Backofen, der nur das erhitzt, was wirklich nötig ist.
Kürzlich war ich bei einem Treffen des Ortsverbands der Grünen. Da konnte man erfahren, wo das Geld hin geht; die größten Posten im Haushalt sind das Hallenbad mit 1,5 Mio. € Zuschuss pro Jahr, und die Volkshochschule mit 1,2 Mio. €. Ersteres wird wohl nicht zu halten sein, weil in ein paar Jahren eine unbezahlbare Renovierung ansteht.
Meine Schwester hat gesagt, dass sie den Pseudo-Rapper Eko Fresh irgendwie süß findet (rein optisch, seine Musik ist indiskutabel unter aller Sau). Muss wohl die weibliche Wahrnehmung sein – ich wäre bei diesem Spargeltarzan nie auf solche Gedanken gekommen. Bei Ricky Martin kann ich es ja noch verstehen, der hat ein gewinnendes Lächeln, Muskeln, einen Waschbrettbauch, d.h. eine absolut sportliche Figur und dabei noch sehr charmant. Bei dem kann ich auch als Mann sagen, dass er schön aussieht.
Habe im Internet zufällig erfahren, dass der Schauspieler Earl Hindman vor einem Monat verstorben ist. Schade; er hat in der Serie „Home Improvement“ den Nachbar Wilson gespielt (laut Serie verwandt mit den Wilsons von den Beach Boys, die auch einmal einen Gastauftritt hatten...).
Heute habe ich mich mit meinem Professor für theoretische Physik über das Schul- und Hochschulsystem unterhalten. Überall wird von Reformen geredet, und zwar nicht erst in den letzten Jahren, aber z.B. an den Gymnasien hat sich seit 40 Jahren offensichtlich nichts nennenswert verändert, die Probleme und die Ineffizienz ist gleich geblieben. Ernüchternd.
Vor einer Woche habe ich in einem Kaufhaus zum ersten Mal eine gesperrte Rolltreppe gesehen, vermutlich nur zu Routine-Wartungsarbeiten. Dagegen ist, grob geschätzt, im Münchner S- und U-Bahn-System jede vierte Rolltreppe defekt. Warum?
War zu Silvester mit Freunden in Dachau. Irgendwie war die Rauchentwicklung der Böller dieses Mal besonders stark, und es gab richtig hell blitzende Kracher – wohl eine Neuheit.