Heute war ich am Münchner Flughafen; zwei Kommilitonen sind nach Zypern geflogen, und beim Check-In gab es folgende Situation: Die Halle des Terminal 1 ist recht schmal, zudem kann man sich nicht direkt an den Schaltern anstellen, sondern im Bereich davor sind umfangreiche Absperrungen mit Bändern, damit die Passagiere vor dem Check-In ihr Gepäck durchleuchten lassen. Dadurch ist so wenig Platz, dass sich bereits bei kleineren Flügen die Menschen um den Einlass ziemlich drängen. Für die Wartenden ist einfach zu wenig Platz vorgesehen bzw. sie können sich nirgendwo richtig hinstellen. (Hätte man die Absperrbänder geschickter angeordnet, könnte man die Leute schön geordnet zum Durchleuchtungsgerät führen.) Als der Check-In begann, fing auch das Gemecker der Leute in der Schlange an – alle, die daneben stünden, sollten sich bitte am Ende einreihen. Was ihnen denn einfiele. Natürlich soll sich niemand vordrängen dürfen. Aber ob man in einer Schlange steht oder ob sich die Menschentraube im Reißverschlusssystem einfädelt, ist eigentlich vollkommen egal. Der Flieger hebt dadurch auch nicht früher ab. Und solange halbwegs gewährleistet ist, dass die, die am längsten gewartet haben, zuerst zum Schalter kommen, ist es egal ob Schlange oder Traube. Soweit die Theorie – aber hier regiert die Rechthaberei. Die Einen sagen, alle sollen sich in die Schlange einreihen (natürlich hinten); die Anderen wollen ihre Position auch nicht verlassen. Wie im Straßenverkehr, wo das Reißverschlusssystem auch nicht funktioniert. Wir stellen uns gerne in die Schlange, aber nur dann, wenn alle Anderen mindestens so lange warten müssen wie wir. Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt. Disziplin und Opferbereitschaft ist vorhanden, aber kein Pragmatismus; das deutsche Gerechtigkeitsempfinden ist nicht zufrieden, wenn es für die Allgemeinheit am besten ist, sondern nur, wenn es allen gleich schlecht geht und damit möglicherweise schlechter als nötig. Ich habe den Verdacht, dieser Gedanke prägt auch unser kompliziertes Steuersystem.
Auf Politik-Poker.de gab es einen ganz interessanten neuen Beitrag: Kapitalismus – was ist das eigentlich? von Helmut Creutz. Dort wird beschrieben, wie sehr sich das Geld immer mehr konzentriert – und dass nicht unbedingt die Staatsverschuldung das Problem ist, sondern vielmehr die Verschuldung der Unternehmen eine noch größere Ausdehnung erreicht hat; für beides muss letztendlich die Zinslast von der Allgemeinheit bezahlt werden. Und dann habe ich auch noch gelesen, dass einer der Hauptfehler bei der Wiedervereinigung der 1:1-Umtausch des Geldes gewesen sei – eine großzügige Geste an die Bürger, aber ein Todesurteil für die nicht mit dem Westen wettbewerbsfähigen Unternehmen. Erst dadurch wurde es möglich, dass die DDR-Wirtschaft restlos vernichtet statt saniert wurde und in der Folge verkauft werden musste. So ist Ostdeutschland angeblich heute eine der Regionen mit dem geringsten Besitz an Produktionsmitteln – sie gehören weitgehend westdeutschen Eigentümern. Bringt man beide Texte zusammen, wundert es nicht, warum der Aufschwung im Osten so lange auf sich warten lässt: Ostdeutschland ist eines der Gebiete, aus denen das Geld am systematischsten abfließt.
Gestern war ich auf einer Geburtstagsparty. Interessant war dabei ein Gespräch mit einem E-Technik-Studenten. Dieser war ganz verwundert darüber, dass ich die Wissenschaft als etwas Ungenaues bezeichne, denn für ihn haben die Formeln alle „Gesetzeskraft“, man kann alles durchrechnen, alles exakt bestimmen. Ich dagegen bin kein Ingenieur, sondern geprägt von Physik und Geologie. Während man im Bereich der Elektrodynamik alles berechnen und beschreiben kann, gibt es diverse andere Bereiche, in denen dieses Modell versagt. Zum einen die Quantenwelt mit ihrem merkwürdigen und kaum vorstellbaren Verhalten. Oder auch die Chaostheorie – beim Apfelmännchen, das aus exaktester Mathematik besteht, zeigen die Randbereiche trotzdem hochgradig chaotisches Verhalten, so dass ein vergleichbares reales System (beispielsweise das Wetter) trotz einfacher Grundprinzipien (Newtonsche Mechanik, Thermodynamik) vollkommen unberechenbar bleibt. In der Geologie liegen die Probleme etwas anders. Dort sind die Mechanismen ebenfalls recht simpel und man muss nicht einmal eine Vorhersage machen, sondern nur das Bestehende beschreiben. Problematisch ist hier, dass die Messdaten fehlen und dass man anhand der dürftigen Spuren auf der Erdoberfläche sämtliche Vorgänge im Erdinneren modellieren sowie anhand unseres kurzen Beobachtungszeitraums alle Vorgänge, die Millionen von Jahren dauern und in Echtzeit nicht beobachtbar sind, extrapolieren muss. So prägt das jeweilige Fachgebiet unser Weltbild.
Wenn wir schon bei der Wissenschaft sind: Wenn ich im Gefrierschrank zwei Eiswürfelformen stapele, dann erhalte ich in der oberen trübe Eiswürfel, unten klare. Warum? Liegt das vielleicht daran, dass es unten, isoliert durch die obere Schale, langsamer abkühlt und somit mehr Zeit bleibt, damit Luftblasen austreten können?
Kürzlich war ich bei einem Stammtisch von Geophysikern; dabei habe ich mich mit zwei Leuten unterhalten, die längere Zeit berufstätig sind. Der eine arbeitet bei einem großen Unternehmen (bzw. inzwischen outgesourct in ein Tochterunternehmen) und ist vor allem frustriert – von den oft nur rein politischen Entscheidungen der Unternehmensführung, von der Wichtigtuerei (die E-Mail-Flut komme vor allem daher, weil jeder seine Ergebnisse, Ankündigungen und Beschlüsse an unzählige Leute weiterschickt, um zu zeigen, wie tatkräftig und unverzichtbar er sei) und der Arroganz mancher Vorgesetzter. Reibungsverluste, die einem gesunden Menschenverstand einfach nur weh tun. Beispielsweise werde die IT outgesourct nach Indien, weil das dem momentanen Zeitgeist entspricht; wirklich sinnvoll sei das aber nicht, weil die Inder nach seiner Erfahrung nicht so viel auf die Reihe kriegen, so dass das Geld trotz viel höherer Lohnkosten bei uns genauso gut angelegt sei. Der andere Geophysiker konnte sich recht bald selbständig machen und arbeitet daher immer noch in der Geophysik; er ist viel zufriedener, weil er eigenständiger arbeiten kann. Er ist viel in Afrika unterwegs; das Geld für seine Arbeit komme dort allerdings oft von despotischen Regimes, die entsprechend Kapital beiseite geschafft haben. Als Ratschlag für die Jobsuche kam übereinstimmend: Geld sei in der Industrie durchaus vorhanden, vor allem die Erdölindustrie schwimme zur Zeit in Geld. Allerdings müsse man dafür ins Ausland gehen. Auch in anderen Bereichen seien deutsche Geowissenschaftler sehr gefragt, beispielsweise in Australien. Der erste Job sei jedoch der wichtigste, speziell in Deutschland – wenn man einmal in eine bestimmte Schublade gepresst worden sei, werde man später auch immer so gehandelt, d.h. Quereinsteiger hätten es nach wie vor sehr schwer bei uns. Zudem solle man gleich beim ersten Job ins Ausland gehen – später werde es zunehmend schwierig, gerade mit zusätzlichen Verpflichtungen wie z.B. Familie.
Einen positiven Effekt hat unsere Fassadenverkleidung: Nachts wirkt das abgeklebte Fenster, auf dem man das Licht der Straßenlampe und die Schatten der Äste des Baumes sieht, wie ein japanisches Papierfenster. Eine kleine Pseudo-Idylle.
Heute war ich auf einem Konzert; auf der BUGA trat Gianna Nannini auf. Schon die Vorband, I Casanova (eine Coverband für Italo-Pop-Hits), war technisch hervorragend. Aber die eigentliche Show war noch besser. Die Stimme dieser Frau ist einfach sensationell; die Band, ausgestattet mit mehreren Streichinstrumenten, Schlagzeug und Klavier, sorgte für eine teils sehr rhythmusbetonte, teils opulent klingende Musikkulisse, gegen die Gianna Nannini mit ihrer Stimme locker ankam. Sie singt nicht zart und getragen, sondern schreit ihre Lieder regelrecht ins Mikrofon. Trotzdem, hier gilt das Gleiche wie in der Werbung eines Reifenherstellers: Power is nothing without control. Und das trifft auf sie voll zu; sie hat nicht nur eine kraftvolle Stimme, sondern weiß sie perfekt einzusetzen. Mit der Begleitung ist es genauso (egal ob von der Band gespielt oder, am Klavier, auch von ihr selbst): Was teilweise wie ein wildes extatisches unkoordiniertes Einhämmern auf das Instrument aussah, klang in jeder Note perfekt. Hier konnte man sehen, was wahre Beherrschung eines Musikinstruments ist: nicht nur die spielerische Perfektion, sondern auch, dass der Musiker voll aus sich heraus gehen kann, nicht mehr nur Bediener oder Sklave des Instruments ist, und trotzdem jeder kleinste Ton perfekt sitzt. Ich bin beeindruckt.
Zur Zeit wird an unserem Mietshaus die Westfassade renoviert. Zuerst wurde ein Gerüst aufgestellt, dieses mit einem Schutzvlies verhängt und schließlich noch die Fenster abgeklebt, bevor die Presslufthämmer zum Einsatz kamen. Zum Glück ist es zur Zeit nicht so heiß, dass wir permanent lüften müssten. Aber eines ist mir aufgefallen: Während es normalerweise kein Problem ist, in einem Raum zu sitzen, der keine Fenster hat, ist es schon irritierend, wenn ein Fenster vorhanden ist, aber man nichts sieht. Und wenn man dann das Fenster oder die Tür aufmacht, sieht man immer noch nicht, wie draußen das Wetter ist. Man fühlt sich so abgekapselt – draußen sein, aber trotzdem die Umwelt nicht sehen können. Das ist erstaunlich irritierend.
Auf dem diesjährigen Sommerfest des Observatoriums Fürstenfeldbruck hat unter anderem ein Magnetiker von seiner Exkursion nach Tristan da Cunha erzählt. Dieser Felsen ist die abgelegenste Insel der Welt; nur jeden Monat kommt ein Schiff aus dem 2400 km entfernten Südafrika vorbei uns bringt den ca. 200 Bewohnern Post und Waren. Die Leute bauen Kartoffeln an und züchten Vieh; außerdem werden Langusten gefangen und exportiert. Das Leben dort sei darum ganz anders als bei uns, Geld würde fast keine Rolle spielen, weil es schließlich nicht viel gäbe, was man kaufen kann. Und wenn man etwas bestellt, dann dauert es Wochen oder Monate, bis man es bekommt; und wenn man eine Reparatur oder Ersatzteile braucht, gehen wieder Monate ins Land.
Die Blade Night finde ich immer wieder faszinierend. Eine irrsinnige Menschenmasse rollt gemeinsam durch die Stadt, vollkommen gleichmäßig und flüssig (zumindest wenn man weiter vorne mitfährt). Wir sind dicht gedrägt wie in einer Fußgängerzone an einem belebten Einkaufstag, trotzdem kommen wir vergleichsweise flott vorwärts (eine derartige Menschenmenge in Autos ergäbe einen heftigen Stau!), es ist fast ruhig, man hört vor allem die monotonen Geräusche tausender Skaterrollen. Keine Probleme, keine Kollisionen, die Menge verschmilzt zu einer Einheit und fließt reibungslos durch die engen Straßen. Vielleicht ist es das, was mir daran so gefällt. Skaten als Supraleitung des Zu-Fuß-Gehens. Geil.
Auf der Webseite des Streetlife Festivals ist auch der Liegeradstammtisch vertreten!
Außerdem: Ich habe einen netten Text über Programmierkonventionen gefunden. Sollte sich jeder mal durchlesen.
Sonst noch: Durch ein heftiges Gewitter gab es am Garchinger Reaktor eine Reaktorschnellabschaltung. So, und jetzt hat der Reaktor eine Xenonvergiftung und muss sich erstmal zwei Tage erholen ...
Heute waren wir auf dem Staffelberg bei Staffelstein, wo die Leute vom Landesamt für Denkmalpflege mit Magnetometern (Cäsium und SQUID) den Boden untersuchen – darunter befindet sich nämlich ein keltisches Oppidum. Auf der Rückfahrt haben wir uns Bamberg angeschaut, eine hübsche Stadt; die Spezialität dort ist Rauchbier. Es schmeckt wirklich wie geräuchert! Nicht schlecht.
Vor ein paar Tagen war ich wieder mal in Garching darußen und habe auch Heinz, einen Ingenieur vom Reaktor, getroffen. Dieser meinte u.a., der neue Papst Benedikt sähe aus wie Imperator Palpatine. Treffend!!!
Nach dem letzten Liegeradstammtisch sind wir zu viert heimgeradelt. Es war wieder einmal beeindruckend, wie zügig und problemlos man in der Gruppe vorwärts kommt, wenn die Leute erfahrene Radler sind. Man weicht sich automatisch aus, es braucht keine Worte, sondern man versteht sich auch so. Aus den kleinsten Bewegungen erkennt man bereits, was der Andere will, und stellt sich darauf ein. Mit solchen Leuten zu fahren ist einfach ein Genuss.
Weil sich das Regal auf der einen Seite unseres Flurs, die Telefonsteckdose und die einzige Stromsteckdose aber auf der anderen Seite des Flurs befinden, wollten wir beide Anschlüsse auf die andere Seite verlängern. Dazu installierten wir einen Kabelkanal und legten Stromkabel und ein Telefon-Verlängerungskabel hinein. Dummerweise funktionierte dann das Telefon nicht mehr – die Stromleitung störte die Telefonleitung offenbar so massiv, dass weder ISDN noch DSL durchkam. (Aber nur, wenn am Stromkabel Geräte angeschlossen waren; schloss man diese an eine andere Steckdose an, funktionierte alles.) So unerwartet wie dieses Problem ist, so einfach war die Lösung: Telefonkabel raus, komplett in Alufolie einpacken, und zurück in den Kabelkanal. Seitdem funktioniert alles. Problembehebung mit 70 cm Alufolie – Hochfrequenztechnik kann so einfach sein!
Noch eine Story von der Bahn: Michael geriet in eine Fahrkartenkontrolle; seine Fahrkarte für den aktuellen Monat hatte er dabei, aber nicht den Verlängerungszettel, der ihn berechtigt, diese vergünstigte Fahrkarte verwenden zu dürfen. (Studentenausweis hatte er dabei, das wurde aber nicht akzeptiert, obwohl der Verlängerungszettel immer zusammen mit dem Studentenausweis verschickt wird, d.h. jeder Student hat ihn.) Daraufhin konfiszierte der Kontrolleur seine Fahrkarte – obwohl er für die Wertmarke bezahlt hatte und diese auch dabei hatte. Hätte er die Fahrkarte komplett vergessen, hätte er sie nur gegen eine Bearbeitungsgebühr an der Zeitkartenstelle vorzeigen müssen. Aber so musste er erstens über das gesamte Pfingstwochenende auf die Fahrkarte verzichten, hatte zweitens auch keine Fahrkarte um zur Zeitkartenstelle zu kommen, und musste drittens dort eine halbe Stunde anstehen und die Bearbeitungsgebühr zahlen. Angesichts dessen: Schwarzfahren ist wirklich langsam eine ernsthafte Alternative, wenn man als zahlender Fahrkartenbesitzer so behandelt wird.
Gestern habe ich an einer Geologie-Exkursion ins Lainbachtal (bei Benediktbeuern) teilgenommen. War sehr schön – die intensiv grünen Bäume im Tal haben was, aber ebenso die Umgebung, man fährt von Penzberg kommend durch eine Allee nach Benediktbeuern, nebenan eine Blumenwiese, an deren Ende steht das Kloster Benediktbeuern mit seinen Zwiebeltürmen, und direkt dahinter erheben sich die Berge. Frühling im Pfaffenwinkel hat was!
Weil ich einen Stadtplan brauchte, wollte ich mir den „Münchner Radlstadtplan“ kaufen – allerdings ohne zu wissen, wo es ihn gibt. Nachdem die Buchgeschäfte ahnungslos waren, wollte ich es beim ADFC versuchen. Ich war zwar schon einmal in der Münchener Geschäftsstelle, aber wusste nicht mehr genau, wo sie war; irgendwo bei der Theresienwiese. Als ich bei Radl Bauer vorbei kam, fragte ich dort. Es fand sich zwar tatsächlich ein Verkäufer, der mir die Adresse sagen konnte, aber nicht, wo das genau ist. Aber die meisten anderen Verkäufer hatten überhaupt keine Ahnung, einige wussten mit dem Begriff ADFC überhaupt nichts anzufangen. Gut, dass wir verglichen haben!
Zur Zeit mache ich meine Diplomprüfungen. Zwei davon habe ich schon hinter mir (Geophysik und Geologie). In beiden Prüfungen konnte ich viele Fragen nicht beantworten, obwohl ich mich doch recht gut auf die Prüfung vorbereitet hatte – ich hätte endlos viel über das Standardwissen und sämtliche Zusammenhänge dazu erzählen können. Aber das war nicht gefragt, sondern recht exotische Dinge. Trotzdem habe ich ziemlich gute Noten bekommen. Ich werde nicht so ganz schlau daraus. Haben die Professoren (beide sind schon älter und haben sehr viel Prüfungserfahrung) gedacht, dass ich viel wissen müsste, und darum geschaut, wie ich bei unbekannten Problemen reagiere und argumentiere?
Neben meinen Prüfungen habe ich auch endlos viel Zeit in das GAP 2005 gesteckt. Dieses Studententreffen war letztes Wochenende und hat viel Spaß gemacht; es zu organisieren war dagegen viel Arbeit, aber hat uns eine ganze Menge Erfahrung gebracht – weil man, unterstützt von der Uni und von Sponsoren, selber alles auf die Beine stellen musste und damit auch mit der Aufgabe wachsen konnte. Ich hatte gedacht, dass so eine Veranstaltung vor allem von guter Planung abhängt. Aber es gibt so viele tausend Details, an die man beim ersten Mal kaum denkt; dort hilft es nur, wenn man ein Team hat, wo jeder mitdenkt und mit offenen Augen sieht, was getan werden muss. Bei uns war das der Fall. So konnte etwas entstehen, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile – und ich durfte dabei sein und mitmachen. Genial. Ich betrachte das GAP mit allen seinen Vorbereitungen als die fünfte meiner Diplomprüfungen; vielleicht war es die anspruchsvollste, weil sie am wenigsten mit Lehrbuchwissen machbar war und am meisten Einfallsreichtum und Flexibilität erforderte.
Noch was zum GAP: Da gab es einen Vortrag von der Münchener Rück über Naturkatastrophen. Während die meisten Todesopfer durch Erdbeben etc. gefordert werden, kommen die höchsten Versicherungsschäden von Stürmen – weil diese v.a. in den Gebieten auftreten, in denen die höchsten finanziellen Werte angesammelt sind (also in den Industriestaaten). Weil aber Stürme im Gegensatz zu anderen Naturkatastrophen vermutlich durch menschliche Einflüsse verstärkt auftreten, ist die Versicherungsbranche stark daran interessiert, die Klima-Änderungen zu erforschen und bekannt zu machen.
Heute hatte ich wieder einmal ein besonderes Computer-Erlebnis: Auf einem Webserver wollte ich Bilder löschen, die ein PHP-Skript erzeugt hatte. Da PHP mit den Webserver-Berechtigungen läuft, kann ich mit meinen Benutzer-Berechtigungen die Bilder natürlich nicht löschen. Also, sollte man meinen, muss auch der Webserver – in Form eines PHP-Programms – die Bilder wieder löschen. Aber der Safe-Mode von PHP erlaubt das nicht, weil das Skript nicht den gleichen Besitzer wie die zu löschenden Dateien hat. Argh! Die Lösung war, ein PHP-Skript zu schreiben, welches ein PHP-Skript schreibt, welches die Bilder löscht – das zweite Skript hat nämlich, da es nicht von mir, sondern von einem Skript (und damit vom Webserver) erzeugt wurde, den Webserver als Besitzer, und darf damit die Bilder löschen.
Juhuu, endlich wieder Internet, nach über drei Monaten Wartezeit – Arcor hat sich da wirklich ein starkes Stück erlaubt. Die Fernsehwerbung ging fleißig weiter, auch wenn sie mit den Lieferungen nicht nachkamen, und von der Hotline war nie etwas Genaueres zu erfahren.
Gestern habe ich den Film „Der Untergang“ gesehen, welcher die letzten Tage von Hitlerdeutschland
im Berliner Führerbunker zeigt. Es gab bei diesem Film große Diskussionen, ob man bei Hitler
menschliches Verhalten zeigen dürfe – aber für mich stellt sich diese Frage nicht. Klar ist, er
war ein Mensch, und wenn man ihn nur als Monster darstellt, ist das sowohl eine Verzerrung der Realität als
auch kontraproduktiv – wenn man etwas schlechter darstellt als es wirklich war, ist das in erster Linie
eine Ausrede, um seine eigene Mitschuld zu reduzieren. Ich halte zwar nichts von einer
„Kollektivschuld“ für ein ganzes Volk (denn schuldig ist nur der, der etwas Schlechtes getan
hat oder unterlassen hat, etwas dagegen zu tun), aber erwarte, dass sich jeder bewusst macht, wie es zu so etwas
wie den Holocaust kommen konnte, und dass so etwas heute genauso möglich ist, und zwar in jedem Land.
Hitler war kein Monster, der das Volk überfallen hat, sondern ein kleiner Fanatiker, der durch das System
groß werden konnte. Ich habe in irgend einem Feuilleton gelesen von einer Pflicht, dass ein Film zu einem
solchen Thema den moralischen Zeigefinger erheben müsse. Auf der Webseite haGalil wird sogar behauptet, mit dem Film würden die Gewalttaten
verharmlost und die Deutschen würden Hitler verzeihen. Nein, wirklich nicht. Ich finde: Wer das unendliche
Leiden der Opfer nur mit unendlicher Anklage gegen die Täter vergelten kann, ohne sich für deren
jeweilige Situationen zu interessieren (was keinesfalls deren Schuld mindern soll), hat auf dem Weg zur
Vergangenheitsbewältigung erst den kleinsten Teil hinter sich.
Aber abgesehen davon: Wurde Hitler wirklich menschlich dargestellt? Nein. Natürlich wurde er in etlichen
Szenen als extrem freundlicher und höflicher Mensch gezeigt – aber das war immer in Situationen, in
denen er von seinen Bunker-Mitbewohnern etwas wollte. Für die Menschen draußen hatte er nur die
rücksichtslosesten und brutalsten Befehle übrig. Aber genau daran erkennt man einen guten Menschen: Ob
er freundlich ist, auch dann, wenn es vollkommen uneigennützig ist und wenn auch niemand hinschaut (d.h.
wenn die Uneigennützigkeit nicht zur Profilierung gedacht ist).
Interessant fand ich noch ein paar weitere Punkte: Hitler wurde als kranker, fast wahnsinniger Mensch gezeigt;
eigentlich kein Wunder, wenn man gerade einen halben Kontinent in Schutt und Asche gelegt hat – so etwas
dürfte nur mit einer ganzen Menge Realitätsverlust zu ertragen sein. Aber Goebbels wirkte dagegen fit
wie ein Turnschuh, trotz des Wahnsinns um ihn herum – er war eigentlich die bizarrste Figur im Film.
(Übrigens fand ich es schade, dass ich von den Figuren nur die wenigsten erkannt habe; die Namen sind mir
weitgehend geläufig, aber welche historischen Rollen dahinter stecken, wusste ich zu wenig –
vielleicht, weil sich alles immer um die Person von Hitler dreht, wobei seine Helfer und Günstlinge in den
Hintergrund treten.) Dann die Generäle: Sie waren sich in ihren Einschätzungen der Lage immer sehr
einig, aber schafften es nicht, trotz sehr guter Argumentation Hitler den Ernst der Lage nahe zu bringen. Aber
wieso haben sie nie versucht, sich zusammen zu tun, mit einer Stimme zu sprechen und Hitler einfach zu
überreden? Als Führungskräfte in der Armee müssen sie zweifellos das Wissen gehabt haben,
wie man mit Leuten umgeht und sie auch psychisch beeinflusst (gerade ein so instabiles Wrack wie Hitler im
Bunker). Das ist der Punkt: Hitler konnte bis zum Schluss ohne Widerspruch realitätsferne Befehle geben
– nie wurde er zu den unmittelbaren Konsequenzen gefragt, nie musste er für irgend etwas
persönlich die Verantwortung übernehmen. Das ist ein weiteres Alarmsignal: Wer für sein Tun keine
Verantwortung übernimmt (und zwar nicht pauschal, sondern für jeden kleinen Schritt), und wer Schuld
auf Andere schiebt, sollte verdächtig sein.
Heute in der Sendung Scheibenwischer, die zwar insgesamt etwas enttäuscht hat, war eine hervorragende Otto-Schily-Parodie von Matthias Richling zu sehen: „Liebe Parteifreunde von der CDU, von der CSU und der NPD [...] bald haben wir alles, was die Terroristen zerstören wollen, selber abgeschafft – Freiheit, Datenschutz, Bankgeheimnis [...] im Osten hatten sie die Stasi, bald werden sie sich auch im Westen richtig heimisch fühlen [...] in diesem Land dürfen Leute, die unseren demokratischen Staat beschädigen, keine Chance haben – gut, ich hatte sie, aber das darf nicht wieder vorkommen.“ (sinngemäß zitiert) – Wie wahr, das spricht mir aus der Seele! Heute gibt man nicht mehr den Menschen Möglichkeiten, damit diese die Freiheit haben, etwas in ehrlicher Arbeit auf die Beine stellen zu können, sondern schüttet aus Angst vor negativen Entwicklungen das Kind mit dem Bad aus. Wie scheinheilig hören sich dazu die gebetsmühlenartigen Forderungen der Politiker nach mehr Eigenverantwortung an! Und hier schließt sich der Kreis zum zweiten großen Thema der Sendung, nänlich Bildung. Die Wirtschaftsliberalisten fordern die totale Leistungsgesellschaft, auf der anderen Seite wird nach mehr sozialer Gleichheit gerufen – die Einen fordern eine Stärkung der Leistungsstarken und meinen damit „wenn ich jemanden platt machen kann, will ich das tun dürfen“; die Anderen wollen die Schwachen stärken, ohne sich dafür zu interessieren, woher diese Schwäche kommt. Das Ergebnis: Nicht die Guten sind die Sieger, sondern je nach politischer Ausrichtung die Starken oder überhaupt niemand. Wie es also schon immer war – Fortschritt ist auf diese Weise nicht möglich. Der Punkt ist doch: Wir haben keine Chancengleichheit, weil man den Menschen keine Chancen mehr gibt!
Ich finde es faszinierend, was man immer wieder über irgendwelche modernen Trends und Entwicklungen zu lesen bekommt, beispielsweise Weblogs. Da wurde beispielsweise allen Ernstes behauptet, Weblogs könnten eine Konkurrenz zum etablierten Journalismus sein, und dies widerlegt mit dem Argument, nur professionelle Journalisten könnten fundierte Recherche betreiben. So ein Unsinn! Grundsätzlich kann immer der die beste Recherche betreiben, der den besten Zugriff auf die Quellen besitzt. Bei internationalen Angelegenheiten hat damit ein Privatmensch keine Chance, denn dieser hat normalerweise kaum Kontaktpersonen in den entsprechenden Stellen, sondern kann nur die Medienlandschaft auswerten, d.h. Informationen nur aus zweiter Hand (die meist zentral von den wenigen Nachrichtenorganisationen stammt). Die Stärke der Weblogs liegen definitiv nicht darin, öffentlich zu jeder Meldung seinen unqualifizierten Senf dazugeben zu können (nach wie vor sollte man, wenn man keine Ahnung hat, den Mund halten) oder Aussagen aus den Nachrichten oder von Internet-Seiten zu wiederholen – all das fördert nur das digitale Rauschen. Die fundierte Recherche sollte man denen überlassen, die die Mittel dazu haben. Andererseits: Jeder Mensch hat eigene Augen und Ohren, und diese sind nicht zu ersetzen, auch nicht durch die professionellste Nachrichtenagentur; jeder kann – und IMHO sollte – über das schreiben, was er mit eigenen Augen sieht, und welche Meinung und Gedanken er hat. Damit sind Weblogs in keinster Weise eine Konkurrenz oder ein Ersatz für Journalismus, sondern eine hervorragende Ergänzung. Dass ein Großteil der Weblogs bei einigen wenigen Weblog-Providern gehostet werden, welche Features bieten, dass man gegenseitig auf seine Einträge verweist (Trackback) und sie auch kommentieren kann, ist dabei vielleicht gerade gut – denn ein Weblog ist, im Gegensatz zu einem Massenmedium, per se etwas sehr Subjektives, und auf diese Weise kann sich der Leser einen Meinungsquerschnitt bilden. Ich nutze solche Features zwar nicht; vielleicht noch nicht? Die Zukunft wird es zeigen.
Ich muss zu meinem letzten Eintrag hinzufügen: In der Stadt scheint es insgesamt deutlich windiger als auf dem Land zu sein. Liegt vielleicht an den langen Straßenschluchten, im Gegensatz zu der kleinräumigen Endmoränenlandschaft da draußen. Und: Ich stelle fest, dass ich mehr mit dem Fahrrad fahre – in Ebersberg waren alle Wege eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, oft Haus–Bahnhof, während man hier mehr Möglichkeiten hat. Gut, meine frühere Wohnlage war auch etwas extrem – S-Bahn-Endstation, dort am Ortsrand am Ende einer Sackgasse. Hier habe ich jetzt Umland. Früher hatte ich zwar rundherum Natur, aber hier habe ich zumindest den Olympiapark, und dort bin ich öfter unterwegs, als ich es früher in unserem Tal war. Der Grund ist wohl auch, dass es hier mehr Möglichkeiten gibt, konkret also mehr Wege. Ich kann mit dem Fahrrad oder mit Inline-Skates unterwegs sein, kreuz und quer, statt nur außenrum oder mit Wanderstiefeln quer durch die Äcker. Diese Sichtweise hat natürlich nichts mit unberührter Natur zu tun; andererseits ist die Frage, wie natürlich unsere Agrarlandschaft überhaupt noch ist, zumindest vom menschlichen Erfahrungswert her. Für Ebersberg stellt sich diese Frage eh bald nicht mehr, weil dieses erwähnte Tal (mit Resten von Hoch- und Niedermoor) bald mit einer Bundesstraße zubetoniert sein wird. Unberührte Natur gibt es dann nur noch in der Ferne, und man braucht Straßen, um dorthin zu kommen oder um dem Verkehr keinen Grund zu geben, bei sich anzuhalten. Maximale Ruhe erstens durch gute Erreichbarkeit der Unberührtheit und zweitens durch fließenden statt stehenden Verkehr – friedlicheres Leben durch die Entwicklung der eigenständigen Kleinstadt hin zur abgekoppelten Schlafstadt. Ich bin dafür: Ansiedlung von Menschen nur noch in Reservaten, in denen sie artgerecht wohnen können, ohne ihre Umgebung verunstalten zu müssen – in Großstädten.
Ich bin immer wieder begeistert, welche Möglichkeiten man in der Stadt hat. Gestern war ich – zum
ersten Mal seit langer Zeit – Drachen steigen lassen. Einen Berg hatte ich zwar auch in Ebersberg hinter
dem Haus, aber am Olympiaberg in München geht das schon ganz anders – denn dieser künstliche
Hügel überragt das Häusermeer deutlich, so gibt es hier viel besseren Wind als in der teils
bewaldeten Endmoränen-Hügellandschaft im Osten. Und meine Freunde wohnen nicht zig Kilometer weg.
Ähnlich mit Inline-Skating: Hier muss ich nur um die Ecke, und bin im Olympiapark, mit seinen breiten
autofreien Wegen – und außerhalb gibt es großzügig breite Fußwege. Früher
musste ich mich auf viel zu engen Bürgersteigen neben sehr stark befahrenen Straßen bis an das
andere Ende vom Ort kämpfen, wo der einzige brauchbare Radweg mit gutem Teer das Skaten erlaubte. Auch das
Radfahren ist nicht schlecht; man braucht zwar lange, bis man dem Stadtverkehr entflohen ist – allerdings
ist dieser auch nicht so schlecht wie sein Ruf, denn extrem starken Verkehr gibt es nur auf wenigen
Durchgangsstraßen (und dort gibt es meist gute Radwege); die anderen Straßen haben vergleichsweise
wenig Autoverkehr, was auch am guten ÖPNV liegen dürfte. Richtig ätzend ist Stadtverkehr
eigentlich nur in den Kleinstädten, weil dort die Straßen im Vergleich zu ihrer Größe viel
stärker befahren sind (entweder sind sie die einzigen Durchgangsstraßen, auf denen sich alles
sammelt, oder sie enden im Nichts; in München verteilt sich alles mehr).
Und noch was Ungewohntes: Das nächste Fahrradgeschäft ist nicht erst im Nachbarort, sondern wenige
Häser weiter; das nächste Spezialradgeschäft befindet sich keinen deutlich zweistelligen
Kilometerbetrag entfernt, sondern nur rund einen Kilometer nach Norden, fast auf der selben Straße. Das
Leben kann so einfach sein.
Wenn wir schon bei Fahrrädern sind: in Fit for Fun TV haben sie heute Liegeräder getestet. Einfach eine Auswahl möglichst exotischer Modelle einer Horde Anfänger in die Hand gedrückt und in verschiedenen Disziplinen ausprobieren lassen. Dabei ist natürlich niemand auf die Idee gekommen, dass Liegeräder nicht primär ein Ersatz für Standard-Fahrräder sind, sondern eher Spezialgeräte für Profis. Das Tripendo, welches sich in die Kurve legen kann, muss man eben erst mal beherrschen. Und das vollverkleidete Kabinenrad lebt seine Stärken auf langen Strecken mit hoher Geschwindigkeit aus, aber nicht im abgesteckten Testparcours oder im Gelände. Wie als würde man bei einem Rennmotorrad fragen: „Wo bringe ich den Kasten Bier unter?“ Aber das spielt ja eigentlich keine Rolle. Man testet ja nicht, um nachher etwas zu wissen, sondern um mit dem Test Leute zu unterhalten. Da kommt es immer gut, Äpfel mit Birnen und Kirschen zu vergleichen, weil das den Obstkorb bunter macht.
Es ist schon seltsam, „nach Hause“ zu fahren, und dafür Kleidung und Waschzeug mitnehmen zu müssen. Aber vermutlich wird mir das Haus, in dem ich 26 Jahre lang gelebt habe, niemals fremd werden. Außerdem bin ich ja nicht ausgezogen, um endlich „frei“ zu sein und alleine zu leben – eigentlich genau aus dem Gegenteil: weil ich mehr Kooperation wollte; weil ich mit Leuten zusammen leben wollte, mit denen ich Gemeinsamkeiten habe, und mit denen ich mich ergänzen kann. Das ist mir zu oft abgegangen; das war zwar nicht wirklich akut störend, aber auf Dauer deutlich suboptimal. Nicht, dass ich immer viele Leute um mich herum haben muss – im Gegenteil; es wird erzählt von den massiven psychischen Belastungen von Einhand-Weltumseglern, aber ich glaube nicht, dass ich ein Problem hätte, ein Jahr lang keinen einzigen Menschen zu sehen. Eher, ein Jahr lang die falschen Leute nicht nur sehen, sondern mit ihnen auch klarkommen zu müssen und dabei ständig innerlich gegen Mauern zu rennen. Solange ich aber etwas ignorieren kann, tue ich das. Vielleicht ist das der Grund, warum es bei mir vermutlich nie so weit kommen würde, dass ich sage „mir reicht’s!“ und abhaue – ich bin jemand, der mit allem klarkommen kann und jede Suppe auslöffelt, die man ihm vorsetzt. Ich kann mich an sehr viel anpassen, ohne dabei aber jemals ein Mitläufer zu werden – innerlich bin ich immer frei, zumindest empfinde ich das so. Aber ich habe den Verdacht, genau dieser möglicherweise große Gegensatz zwischen innen und außen macht es mir schwer, verstanden zu werden. Und so löffele ich vermutlich zu oft an Suppen, von denen ich gar nicht merke, dass ich sie eigentlich gar nicht essen müsste.
Heute standen die Zeugen Jehovas vor unserer Haustür. Sie meinten, dass die Welt immer schlechter wird (und was man für Konsequenzen daraus ziehen sollte). Ich wollte dem nicht zustimmen; ich bin sicher kein unverbesserlicher Optimist, aber ich finde es einfach ziemlich gewagt, so etwas zu behaupten. Und vor allem: Spielt es eigentlich eine Rolle? Warum sollte man sich dafür interessieren? Genau das ist der Punkt, den ich an den ganzen Religionsfanatikern kritisiere – man zeigt mit dem Finger auf Andere, statt sich darauf zu konzentrieren, was man verbessern könnte. Was hilft es, wenn ich mich damit beschäftige, welche Probleme die Gesellschaft hat? Viel wichtiger ist doch, heraus zu finden, was die Ursachen der Probleme sind und was man selber dagegen tun kann; man will sie doch eigentlich lösen, statt darüber zu diskutieren und Vergleiche anzustellen. Verstärkt kam diese Haltung herüber in dem „Erwachet!“-Heft, das sie mir gegeben haben; dort ging es um Kindererziehung, ein Thema, das mich schon irgendwie interessiert. Mit Verweis auf die vielen Missstände bei der heutigen Jugend wurde gefordert, die Kinder bräuchten ein stabiles moralisches Fundament, welches die Bibel biete. Zweifellos bietet die Bibel sehr viele wertvolle Denkanregungen für Jeden. Aber warum werden Gebote und Verbote gefordert? Kennen die Kinder keine moralisch guten Verhaltensweisen? Kann ich mir nicht vorstellen. Das Problem ist doch, dass sich keiner daran hält – und die Frage ist, warum das so ist, was die Jugendlichen daran hindert. Für mich ist der entscheidende Schritt daher: mehr Ehrlichkeit. Es gibt eben nicht nur antiautoritäre Erziehung, die den Kindern eine egozentrische und grenzenlose (und damit maßstablose) Welt vorlügt, welche nicht existiert, und autoritäre Erziehung, die die Einhaltung von Regeln und Gesetzen fordert, an die sich in letzter Konsequenz niemand so richtig hält (weil es niemand kann) und wo die Kunst darin besteht, die Grenzen in die „richtige“ Richtung zu dehnen. Ich will mehr Ehrlichkeit – das ist doch genau die Kernaussage der Bibel, in der Art „jeder ist ein Sünder, er sollte sich dessen bewusst sein, aber braucht es nicht zu verstecken (weil Jesus sowieso für unsere Schuld bezahlt hat), sondern soll konstruktiv damit umgehen und schauen, was er verbessern kann“. Ich will keine starren Regeln und Gebote, die einem zeigen, wie unfähig man doch eigentlich ist (und dass man diese Unfähigkeit verstecken oder übertünchen sollte), sondern – neben gewissen vereinbarten Mindeststandards – die Flexibilität, aus allem das Beste machen zu können. Und das geht, wenn man vorurteilsfrei herangeht, jedem Menschen zugesteht, dass er sich Mühe gibt, und dann fragt, warum es trotzdem nicht klappt. Das Ziel ist doch nicht, Andere auf ihre Fehler hinzuweisen, die sie selber vermutlich gut genug kennen oder zumindest erahnen. (Interessanterweise sind oft genau die Leute, die sich am lautesten beschweren, jene, die selber am schlimmsten sind, aber es vor lauter Gerede gar nicht bemerken.)
Heute habe ich zum ersten Mal Sushi gegessen; gibt es in den Riem-Arkaden nämlich als All-You-Can-Eat (normalerweise ist mir das zu teuer). 26,5 Portionen habe ich in einer Stunde geschafft...
Ich ziehe um! Nach München in eine WG. Bett, Schreibtisch, Kleiderschrank und Stuhl habe ich alles in
zerlegtem Zustand in unser Auto packen können – erstaunlich, wie sehr man ein Zimmer mit der
Möbelmenge, die man mit einer Autofahrt transportieren kann, füllen kann. Außerdem: Für den
Auf- und Abbau habe ich außer meinem Swisstool (mit Schraubenzieher und beiliegendem Inbus) kein
zusätzliches Werkzeug gebraucht – cool!
In den nächsten Wochen geht es darum, mein ganzes Zeug rüberzuschaffen und zu sortieren. In den
letzten Jahren ist bei mir viel Chaos entstanden – anfangs aus absolutem Zeitmangel, generell aus
fehlender Notwendigkeit (ich hatte relativ viel Platz zur Verfügung), und später einfach nur aus
Frust, nach dem Motto „ist doch mir alles egal“. Letzteres sollte sich jetzt ändern;
außerdem muss sich jetzt zeigen, mit wie wenig Platz und Ressourcen ich auskommen kann.
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Chrismon gab es einen interessanten Artikel; der Politikwissenschaftler Alan Wolfe beschreibt dort die evangelikalen Christen in den USA, die oft aussagen, sie hätten mit Gottes Hilfe ein neues Leben begonnen und zu sich selbst gefunden. Allerdings würde man solche Worte auch aus ganz anderen Ecken der amerikanischen Gesellschaft hören; jene ist sehr vielschichtig und damit inhomogen und individualistisch (Wolfe redet von „Gesellschaft statt Gemeinschaft“). Gleichzeitig herrscht dort eine sehr starke Gleichmacherei von Verhaltensweisen, wie man in Filmen und Fernsehserien beobachten kann – der Einzelne denkt wenig über sich selber nach, sondern wird von Verhaltensschemata bestimmt. Ich kann mir angesichts dessen gut vorstellen, dass jenes als „Bekehrung“ empfundene Elebnis letztendlich das Erkennen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse ist; der Betreffende sieht dann ein, wie sehr die von ihm vorher verfolgten Verhaltensweisen vom allgemeinen Gruppenverhalten bestimmt wurden und wie wenig sie ihn persönlich weiterbringen.
Es schneit! Gestern war ich in München langlaufen, entlang der Isar von der Reichenbachbrücke zum Flaucher und zurück. Loipe mit Straßenbahnanschluss, das hat was. Heute war ich im Westpark; die Loipe ist unter den Schneemassen untergegangen. Auch die Gehsteige sind komplett verschneit; ich konnte auf Ski vom Westpark bis zum Haderner Stern laufen, wo dieses Mal der Liegeradstammtisch stattfand. Auch auf der Heimfahrt habe ich in Grafing Bahnhof auf dem Bahnsteig meine Langlaufski getestet und bin in Ebersberg vom Bahnhof aus heimgelaufen. Der Schnee ist jetzt schwer und nass; vor einigen Tagen gab es Pulverschnee, der zwar beeindruckend aussah, aber zum Langlaufen tückisch ist, weil man die Maulwurfhügel darunter nicht sieht. Und vorletzte Nacht gab es einen Schneesturm, so dass der Schnee überall in den Bäumen hing und alle Stämme auf der Westseite weiß waren.
Anlässlich seines Geburtstags hat mein Vater heute ein paar Nachbarn eingeladen. Interessant, was da in den Gesprächen alles rauskommt – u.a. dass eine Nachbarin zusammen mit dem vor wenigen Tagen ermordeten Rudolph Moshammer in die Schule gegangen ist. Aber ich habe auch wieder gemerkt, dass es für mich nicht einfach ist, an einer Unterhaltung teilzunehmen, wenn alle anderen Leute einer ganz anderen Generation angehören (ca. 45 Jahre älter). Die Gemeinsamkeiten wie z.B. gemeinsame Erfahrungen sind einfach zu gering. Aber in Erinnerung geblieben ist mir die Aussage: „Früher hatten wir kein Geld, aber es war trotzdem eine schöne Zeit, wir hatten unseren Spaß.“ Heute wäre das undenkbar; vielleicht weil der durchschnittliche Lebensstandard höher ist, d.h. praktisch ohne Geld hat man heute massive Probleme und nicht viel zu lachen, man ist ein Außenseiter und wird nicht verstanden.
In den Golem News wurde berichtet, dass es jetzt in Italien eine Tageszeitung (eigentlich sogar zwei) gibt, die keine aktuellen Meldungen mehr druckt, sondern nur noch aus Hintergrundberichten besteht – mit dem Argument, die Schlagzeilen bekämen die Leute heute auf anderem Wege und durch andere Medien. Dadurch ist die Zeitung deutlich dünner als andere Tageszeitungen, wenn auch nicht billiger. Aber ich finde das gut. Die Papierflut der anderen Zeitungen kriegt man ja nicht mehr gebändigt – und es sind wirklich die Hintergrundberichte, die eigentlich wirklich so interessant sind, dass man sie in schriftlicher Form studieren will. Wer jetzt sagt, dass Nachrichtenmagazine wie Spiegel oder Focus diesen Zweck erfüllen, zu dem sage ich: Erstens sind diese Magazine auch überladen, zweitens inhaltlich auch oft enttäuschend – speziell bei nicht-politischen Themen. Und selbst politische Themen sind beim Focus oft nichts anderes als SPD-bashing, garniert mit leerem Gelaber; aber auch im Spiegel scheinen die Journalisten oft zu schreiben, bevor sie nachgedacht haben. Und das ist genau der Punkt: Wenn ich mir sowieso meine eigene Meinung bilden muss, hilft mir ein Artikel durch die Scheuklappen eines Journalisten wenig.
Ich habe mich immer beschwert, dass es keine Möglichkeit gibt, nach einem Urlaub ohne Zugang zu Nachrichten zu erfahren, was in der Zwischenzeit in der Welt passiert ist. Es gibt zwar etliche Nachrichten-Seiten im Internet (alle ziemlich überladen u.a. mit Werbung), aber scheinbar kein brauchbares Archiv. Bis jetzt – denn Wikinews scheint genau das zu werden. Man mag über die Möglichkeit, dass jeder Laie ohne Zugang zu Informationen aus erster Hand Meldungen schreiben kann, geteilter Meinung sein – aber zumindest die Überschriften und Themen, die im Archiv gesammelt werden, bieten eine schöne Übersicht und können Ausgangspunkt für weitere Recherchen sein.
Ich kümmere mich an der Uni um den Seismogramm-Schreiber des Instituts für Geophysik, und schaue dazu zur Auswertung der Seismogramme in die Erdbebenlisten im Internet. Beispielsweise die Liste des Schweizer Erdbebendiensts listet die letzten 1000 international ausgewerteten Beben auf, was normalerweise etwa einem Monat entspricht. Aber momentan reicht die Liste nicht einmal zwei Wochen zurück – in Südostasien gibt es nach dem verheerenden Tsunami-Beben zahllose Nachbeben entlang der Bruchzone. Das große Beben führte übrigens selbst in München noch zu Bodenbewegungen im Bereich von 3–5 cm (!), allerdings mit einer Periodendauer von ca. 70 Sekunden.