Ich bin kein Sportsfanatiker, ganz im Gegenteil. Und ich kann auch nichts an teuren Rennrädern und Mountainbikes finden, die zwar beste Komponenten haben und fast nichts wiegen, aber für den Alltagsgebrauch absolut untauglich sind. Aber mich faszinieren alternative Fahrradkonzepte, die zeigen, was für ein Potenzial in der Fahrradtechnik steckt, und ich überlege und bastle gerne, um die Fahrräder an meine Bedürfnisse anzupassen. Insofern bin ich nicht nur ein Konsument, der das Fahrrad als Mittel zum Zweck sieht, sondern irgendwie auch ein kleiner Forscher, der für sich herausfinden will, wie man das Fahrrad zu einem zuverlässigen, praktischen und schnellen Verkehrsmittel machen kann – viel zu wenige Leute tun das, habe ich den Eindruck. Insofern kann ich sagen: ich bin HPV-positiv!
Weil ich mit meinem Brompton zu viele technische Probleme hatte, habe ich mir
schließlich ein Tikit von Bike Friday gekauft. Seit Brompton-Zeiten bin ich ein eingefleischter
Faltrad-Fan; aber ich hatte einfach keine Lust mehr auf schlechte, störanfällige Komponenten. Falträder
gibt es zwar wie Sand am Meer, gerade Billigprodukte aus Fernost. Allerdings ist das Faltmaß des Bromptons
ungeschlagen; das Birdy hat zwar Federung, ist aber teuer, faltet sich umständlich und muss im gefalteten Zustand
getragen werden. Dahon baut inzwischen gute Räder, die ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis haben;
allerdings fand ich das Fahrverhalten nicht ganz zufriedenstellend (für den Preis sicherlich hervorragend). Aber
dann kam Anfang 2007 das Tikit heraus, das mich mit etlichen neuen guten Ideen begeistert hat; beispielsweise kann man
es konkurrenzlos schnell falten, weil man keine Schraube oder keinen Schnellspanner lösen muss, es gefaltet auf dem
Vorderrad schieben kann (was bequemer und wendiger ist als die Gepäckträgerrollen des Brompton), man es sogar
noch mit Überstülphülle schieben kann (dank Lowrider am Vorderrad), und weitgehend Standardkomponenten
verwendet werden – Bike Friday ist zwar bekannt für gute Verarbeitung, allerdings kann man dann
aufrüsten, was man will und wie man es braucht. Im Oktober des selben Jahres bin ich dann mal zum
Deutschland-Importeur nach Freiburg gefahren und habe es probegefahren – und
war begeistert. Trotz kleiner Räder und ohne Federung fährt es sich sehr gut, wahrscheinlich wegen des
großen Radstands und des flexiblen Stahlrahmens. Dann musste einfach so ein Gerät her!
Ich fahre die „Speedmachine“
von HP Velotechnik, ein
relativ niedriger, vollgefederter Kurzlieger mit Obenlenkung.
Mein Liegerad ist schnell, sehr gut gefedert (soweit das bei einem Fahrrad geht; das Auto profitiert nämlich zusätzlich von seiner riesigen Massenträgheit), technisch (fast) perfekt, fährt fast lautlos, ist aber nicht sehr wendig und etwas umständlich – insofern das genaue Gegenteil des Brompton.
Wofür habe ich es mir gekauft? Natürlich vor allem, weil man damit schnell fahren
kann! Die Geschwindigkeit an sich ist es, die Spaß macht, wie man alle
anderen Radfahrer mit Leichtigkeit abhängt, und wie leicht man mit etwas Schwung
die Hügel hinaufrollt. Aber in einer Zeitersparnis schlägt sich das kaum nieder,
weil zu der Fahrzeit noch andere Tätigkeiten hinzukommen – z.B. Gepäck verstauen
(statt den Rucksack einfach auf dem Rücken zu tragen) oder Fahrrad absperren (klar, dass
man ein so teures Rad besonders gut sichern muss) – und das Liegerad nur auf freier Strecke
seine Geschwindigkeit entfalten kann. Wenn sich jemand nur auf sein Billig-Fahrrad schwingt,
losfährt, und am Ziel auf das Absperren verzichtet, kann man diesen Zeitvorsprung kaum
aufholen, speziell wenn man unterwegs mit Stau oder schlechten Wegen zu kämpfen hat.
Aber die erreichbare Geschwindigkeit hat einen anderen Vorteil: die Reichweite erhöht sich.
Mit der gleichen Energie kommt man weiter, und Strecken, die vorher zu weit waren, werden
möglich. Ja, es macht richtig süchtig, liegend durch die Landschaft zu gleiten,
in Schräglage die Kurven zu nehmen – dank einer perfekten Federung bekommt man bestenfalls
ein leichtes Rütteln von Bodenunebenheiten mit, schwebt vollkommen entspannt dahin, aber
sieht das Gras am Wegesrand nur so vorbeirauschen, andere Radfahrer schnell im Rückspiegel
verschwinden und stößt dabei manchmal in Geschwindigkeitsbereiche vor, die
sonst nur Autos vorbehalten sind.
Mein Liegerad-Händler: Andreas Seilinger von Traumvelo, Ottenhofen
Mein ältestes Fahrrad ist ein Mountainbike (Modell „Comp
Racing“ von Scott) – und
ein ideales Allzweckgefährt. Ausgerüstet mit
Steckschutzblechen, Gepäckträger, Semislick-Reifen,
SPD-Klickpedalen (Shimano BMX-Version: auch mit normalen Schuhen verwendbar), Licht
(Speichendynamo „FER 2002“, Busch&Müller
„DToplight plus“ Rückstrahler und Busch&Müller
„Lumotec Plus“ Scheinwerfer) ist es ein praktisch
unkaputtbares Straßenrad; ein MTB habe ich deshalb genommen,
weil es so solide gebaut ist. Und damit ich nicht kaputt gehe, habe
ich einen „Flite Kevlar“-Sattel von Selle
Italia und Biogrip-Handgriffe installiert. Die Elastomerfedergabel
ist zwar längst nicht mehr Stand der Technik und insgesamt sterben
Hardtails aus, aber für die Straßenbenutzung reicht es (dank der
breiten Reifen und großen Räder) – gegenüber einer Hinterradfederung
spart es sogar noch etwas Gewicht und erleichtert die Befestigung des
Gepäckträgers.
Ein rotes Brompton T5 ist mein Begleiter, wenn ich mit
öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Das Brompton ist
eines der kleinsten Falträder, und deshalb habe ich es gekauft.
Und das Fahren damit macht einen Riesenspaß; raus aus der
S-Bahn, Brompton aufgeklappt, und los geht es. Leider habe ich auch
oft genug mit technischen Problemen zu kämpfen (vielleicht, weil
ich manchmal wie ein Henker fahre) – es entwickelte sich eine gewisse
Hassliebe zu diesem Gerät. Und weil ich schon so viel mit meinem
Brompton durchgemacht habe, reicht es für eine eigene
Webseite; diese ist inzwischen aufgegangen der von Rainer Zenz betreuten Bromptonauten-Seite:
http://www.bromptonauten.de
Mein Brompton-Händler: Dieter Szettele von Radl-R, München